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Studiare italiano

Zugegeben, mit regelmäßig bloggen ist derzeit nicht. Das liegt einerseits daran, dass ich mitten im Endlektorat für meinen neuen historischen Florenz-Roman stecke, der im Sommer erscheint – zum anderen lerne ich fleißig Italienisch. Wer meinen neuen Venedig-Roman “Maskenball des Todes” schon auf Amazon entdeckt hat, weiß, dass ich da noch viel mehr authentische Details reinbringen könnte.

Leider ist das Reisen ja weiterhin nicht möglich. Mir fehlt es ganz schlimm. Auch für die neuen Szenen zum nächsten Bella Calabria-Roman ist natürlich die perfekte Kulisse eher Tropea mit seinen wunderschönen Gassen als die Wohnzimmertapete. Aber widmen wir uns endlich dem Thema meines heutigen Beitrags, auf den viele von euch schon gewartet haben: Italienisch.

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So werdet ihr sattelsicher bei Verben und Zeiten! Certo!

Studiare italiano – aber wie?

Anfangs war ich ganz euphorisch, als ich an der VHS meinen Italienischkurs begonnen hatte. Ich merkte, wie komplex die italienische Sprache ist. Und gleichzeitig war ich davon fasziniert. Inzwischen lerne ich fast anderthalb Jahre und freue mich, durchgehalten zu haben. Ma nooo, non perfetto parlare italiano! Doch es gibt in jeder Stunde etwas Neues zu entdecken.

Inzwischen kommen die Feinheiten der italienischen Grammatik zur Sprache. Was wir in den ersten Wochen noch als “in Stein gemeißelt” erahnt hatten, wird jetzt verfeinert und vertieft. Die Endungen sind tückisch, aber auch die Verknüpfungen. Le donne – die Frauen, gli spaghetti. Das erste Wort mit der Endung auf E im Artikel und dem Wort selbst, im zweiten Wort ebenso.

Mir wurde rasch klar, dass ich für meine Ziele mit dem VHS-Kurs allein nicht weiterkommen würde. Nicht, dass er schlecht ist, aber ich suchte noch mehr Angebote, die meine Sinne beim Lernen anregten. Und deckte mich daher mit vertiefender Lektüre ein, mit Online-Sprachkursen und allem, womit die Sprache für mich lebendiger wird.

Blick ins Buch

PONS – übersichtlich, auf den Punkt

Eine sehr gute Anlaufstelle für alle, die Italienisch lernen wollen, ist PONS. Wer es bereits kennt, wird jetzt nicken. Übersichtlicher Aufbau und viele Tipps machen die Bücher von PONS zu einem wahren Schatz für jeden, der Italienisch lernen möchte. Oder Finnisch oder Kroatisch?

Regelmäßig mitlernen erleichtert das Leben, glaubt es mir! Um in den Verben sicherer zu werden, kann ich euch PONS Verben & Zeiten trainieren Italienisch wärmstens empfehlen. Das Buch ist ideal für A1 – B2, begleitet euch also verlässlich durch viele Sprachkurse und ist unverzichtbar.

Viele Sätze sind mit den richtigen Verben leicht zu verstehen und die praktischen Übungen helfen euch, gezielt an euren Schwächen zu arbeiten. Natürlich darf der Lösungsteil am Ende des 144 Seiten dicken Buches nicht fehlen.

Kompaktes Buch – ideal zum Italienisch lenen

Noch mehr Italienisch …

Der “große Bruder” ist für mich PONS Praxis-Grammatik Italienisch. Das Buch ist super für A1 – C1, also sehr in die Tiefe gehend und wird von einem Online-Übungsteil mit 120 Übungen optimal ergänzt. Auf 304 prall gefüllten Seiten findet ihr wohl alle Geheimnisse der italienischen Sprache.

Ganz wichtig aus meiner Sicht: Die Verneinung. Im Italienischen ist alles ein bisschen anders, auch der Satzbau. Was übersetzt komisch klingt, darüber wundern sich wohl auch die Italiener, wenn wir in unserem gewohnten Satzbau etwas auf Italienisch sagen wollen.

Nur keine Scheu: Wagt euch an die Übungen und merkt rasche Fortschritte. Ihr werdet sattelfest und erkennt kleine Fallstricke, ein gutes Zeichen, dass ihr tatsächlich das bisher Gelernte vertieft und euer Gehirn die italienische Sprache längst versynapst hat. 😉 Ich kann es kaum erwarten, endlich mein Italienisch in einem Ristorante oder vor Ort “auszupacken”.

Vor allem möchte ich ja auch für meine Recherchen einfach mehr ins Gespräch kommen mit Italienern. Statt wie bisher radebrecherisch auf Englisch oder mit Händen und Füßen zu fragen, kann es dann ziemlich spannend werden. Natürlich gibt es auch in Italien bestimmte Phrasen und Redensarten, die ich mitunter übersetzen werde und mich wundere …

Blick ins Buch …

HUEBER – Intermezzo Italienisch

Eine sehr gute Ergänzung für meinen Wechsel von A1 auf A2 war auch das nachfolgende Buch von Hueber: Intermezzo Italienisch – Wiederholen – Aktivieren – Kommunizieren A1. Das Buch ist 110 Seiten stark und hat eine ergänzende CD dabei. Auch bei diesem Buch liegt der Schwerpunkt auf einem ganzheitlichen Lernerlebnis mit viel Spaß und Freude an der italienischen Sprache. Studiare italiano ist gerade jetzt auch eine gute Gelegenheit, sich Italien näher zu fühlen!

Lasst euch nicht davon täuschen, dass es nur 6 Lezioni gibt. Die gehen ins Detail und helfen euch, abzuchecken, wie gut einzelne Schwerpunkte sitzen. Praktisch fand ich die Transkriptionen der Texte und den übersichtlichen Lektionswortschatz.

Die perfekte Urlaubslektüre …

Es gibt auch Übungen, die man zu zweit oder in der Gruppe machen kann. So kann man mit dem Partner oder der besten Freundin, der Familie Italienisch lernen und sich gemeinsam auf den nächsten Bella Italia-Urlaub freuen.

Blick ins Buch …

Und – seid ihr dabei?

Ich hoffe, ich habe euch einige Buchtipps geliefert, mit denen eure nächste Reise nach Italien nicht nur von “Ciao” und “Grazie” begleitet wird.

Wie immer freue ich mich über euer Feedback. Ich möchte noch mehr Bücher vorstellen und Tipps geben, die mir helfen, diese wunderbar melodische Sprache zu lernen. Genießt – in welcher Form auch immer – eure Liebe zu Italien!

Studiare italiano leicht gemacht. Jetzt seid ihr dran? Falls ihr noch immer unsicher seid, traut euch! Es macht wirklich Spaß, Italienisch zu lernen!

Und lasst uns gemeinsam hoffen, dass wir endlich wieder dorthin reisen dürfen. Das Land braucht die Einnahmen aus dem Tourmismus dringend, aber ich denke, der erste Italienurlaub wird sich ganz anders anfühlen. Es hat sich vieles verändert und diese Corona-Pandemie hat bei jedem Spuren hinterlassen. Lasst uns träumen und hoffen, dass wir bald wieder dort sind! Bis dahin – Buona settimana!

Ciao Manu
Autorin und Bloggerin aus Leidenschaft, die Euch gerne auf ihren Recherche-Reisen quer durch Italien mitnimmt!

Maskenball des Todes – Buchpremiere

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Ihr habt es schon bemerkt – in letzter Zeit war es ruhiger in meinem Bella Amore Mio Italienblog. Das hat einige Gründe. Binnen kurzer Zeit konnte ich zwei meiner Italien-Romane bei Verlagen unterbringen. Und nach dem Motto “Alle guten Dinge sind drei” feiert heute die Leseprobe meines neuesten Venedig-Romans “Maskenball des Todes” auf meinem Blog Premiere!

Ja, es ist endlich soweit. Am 30. Januar 2021 erscheint mein Romantic Suspense als E-Book und Taschenbuch exklusiv bei Amazon. Die Idee zu diesem Buch entstand vor einigen Jahren bereits, aber bis es geschrieben und in der aktuellen Form vorlag, brauchte es noch Zeit. Ein Thema, das ihr bereits aus meinen Blogbeiträgen kennt. An Aktualität und Brisanz hat es nichts verloren, denn die Uneinigkeit über die Kreuzfahrtschiffe in Venedig ist nach wie vor ein heißes Eisen.

Romantic Suspense “Maskenball des Todes”

Überraschenderweise hat sich jedoch etwas anderes realisiert, mit dem ich nicht gerechnet hätte. Genau, aufmerksame Leser nicken jetzt heftig. M.O.S.E ist aktiviert und der geneigte Leser möge mir verzeihen, dass ich diesen Wow-Effekt nicht mehr eingearbeitet habe. Aktuell bin ich bereits mit dem Verlagslektorat für meinen historischen Florenz-Roman für den Gmeiner Verlag ausgelastet und ein weiterer Verlag, der einen historischen Roman aus Venedig möchte, wartet auf ein zusätzliches Manuskript. Alles binnen einer Woche – und das in dieser belastenden Corona-Zeit.

Ich komme aus dem Feiern nicht mehr raus. Limoncello, Prosecco oder vino rosso? Hier kommt sie jetzt endlich, die versprochene Leseprobe zu meinem Venedig-Thriller “Maskenball des Todes”. Bereits vorbestellbar bei Amazon! Ab 30.1.2021 gibt es das Buch dann offiziell zu kaufen!

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Romantik pur. Meine Romanheldin Alessandra kennt Venedig auch anders …

Viel Vergnügen! Ich bin sicher nicht die Einzige, die sich danach sehnt, endlich wieder nach Venedig reisen zu können. Übrigens, der Roman “Maskenball des Todes” spielt zur Zeit des berühmten “Carnivale di Venezia”, der in diesem Jahr wohl anders verlaufen wird als gewohnt …

Leseprobe aus “Maskenball des Todes” von Manuela Tengler

Die Dienststelle der Serenissima, die Questera, war längst abgeschlossen. Aus dem kleinen Haus nahe der Piazzale Roma klangen weit nach Feierabend gedämpft Stimmen nach draußen. Dunkle Schatten tanzten hinter den verdunkelten Scheiben umher. Sie erinnerten an Figuren der Commedia dell`Arte. Guiseppe, der Dienstälteste der carabinieri, feierte seinen 60. Geburtstag im Kreise der Kollegen – und mit ihr, seiner einzigen weiblichen Kollegin. »Du schuldest mir einen Tanz, cara mia«, flüsterte er und streckte ihr die Hand entgegen.

Alessandra lächelte, während sie dem vertrauten Kollegen auf die imaginäre Tanzfläche folgte. Wie konnte sie diesem Mann, der alles für sie tat, einen Wunsch abschlagen? Zwischen Schreibtisch und Kaffeeautomat wiegte er sie sanft hin und her. »So tanzten wir schon einmal.«

Sie nickte, schmiegte den Kopf an Guiseppes Brust. Hundert Augen waren damals auf das attraktive Brautpaar gerichtet. Mit Paolo an ihrer Seite fühlte sie sich unverwundbar und stark. Gemeinsam trotzten sie den unregelmäßigen Dienstzeiten bei der venezianischen Polizei, die ihrer Liebe in den folgenden Jahren einiges abverlangen sollten.

Guiseppes Herzschlag beschleunigte sich. Auch er verlor sich in Erinnerungen und kämpfte wohl wie sie um die Fassung. Die Kugel zerstörte nicht nur Paolos Leben. Auch Guiseppes Leben wurde an diesem Tag ein anderes. »Paolo hätte dir eine solche Kalorienbombe von Torte nie geschenkt.« Sie spürte den unregelmäßigen Herzschlag des alten Mannes, seine Hand, die fester um ihre Taille griff. Ein Kloß steckte in ihrem Hals. »Nun schnell, geh zurück ans Buffet, bevor sie dir deine Geburtstagstorte wegessen.« Bevor sie beide endgültig die quälenden Erinnerungen überwältigen, strich sie über Guiseppes Rücken. Das blaue Diensthemd war zerknittert.

Sie lächelte. Der Witwer wäre verloren ohne sie, und sie ohne ihn. Stefano und Antonio, ihre Kollegen, lümmelten auf Guiseppes vollgeräumten Schreibtisch und feixten, wer von ihnen der bessere Tänzer wäre. Guiseppe löste sich aus der Umarmung und deutete ihnen ihr Talent zu beweisen. Mit unsicheren Schritten folgte er einer unhörbaren Musik und grinste, als Alessandra zum Ausgang deutete. Sie überließ die Männer ihrem eigenen Programm. Sie sprachen an diesem Tag nicht wie sonst über die neuesten Waffen, ihre Bambini oder den wachsenden Groll gegen unbezahlte Überstunden. Sie klärten heute Nacht keine Streiche venezianischer Jugendlicher auf, die auf der Piazzale Roma die Wände beschmierten oder mahnten Touristen wegen Bagatellen ab. Heute übertrumpften sich die betrunkenen Männer mit Plattitüden der Politik oder das Ausscheiden bei der Fußball-WM. Sie schimpften über ihre eifersüchtigen Frauen daheim, während sie ihren Ärger mit einem Grappa nach dem anderen hinunterspülten. Sie wollten feiern und Wetten abschließen, wer von ihnen die Nachfolge, Guiseppes Platz in der Questera, antrat.

Alessandra schüttelte den Kopf, als Guiseppe sie zu sich winkte. Sie brauchte dringend Sauerstoff. Der Gestank kubanischer Zigarren und der steigende Alkoholspiegel unter den Kollegen lockten sie ins Freie. »Männer, wirklich.« Eine milde Nacht erwartete sie in der Serenissima. Sie tippte auf das vertraute Gesicht am Display ihres Handys und lächelte, als sie die verschlafene Stimme hörte. »Ich weiß, du bist noch wach. Ich sehe Licht.« Das war eine glatte Lüge, aber bei einem achtjährigen Jungen funktionierte das blendend.

»Ein paar Minuten, mamma, bitte! Ich helfe dafür Nonna beim Einkauf, die ganze nächste Woche, versprochen!«

Funkstille. Ein Grinsen, das sie ohne Ton verstand. Aurelio verstand es, sie zu überzeugen. »Einverstanden. Ich bleibe noch eine halbe Stunde und bringe Guiseppe nach Hause, okay? Ich hab dich lieb, schlaf gut.«

»Buona notte mamma!« Schon brach die Verbindung ab.

Unschlüssig, ob sie zu dem ausgelassenen Männervolk dazu stoßen sollte, entschied sich Alessandra für die knallrote Bank vor der Dienststelle. Ein paar Minuten die in ihrem Leben rar gewordene Stille in der Serenissima genießen, die Alltagssorgen vergessen. Es ging nicht um die verspätete Weinlieferung für Guiseppe, den Dienstplan während Aurelios Schulferien. Endlich allein mit ihrem heimlichen Geliebten. Ihr geheimnisvoller Liebhaber, der spärlich beleuchtete Canal Grande, zog viele Jugendliche magisch an. Sie tanzten ausgelassen auf den fondamente der rivoletto und rii. Ihr schrilles Lachen schwappte über das Wasser und steckte an. Offenbar ertrugen die Männer die stickige Luft nicht länger.

Aus einem gekippten Fenster lauschte sie mit einem unterdrückten Grinsen Guiseppes Vorliebe für Verdis Opern, Antonios Bariton zu Gianna Nannini und Stefanos Lachen. »Ihr seid verrückt«, flüsterte sie. In diesem Moment war ihr die Polizei-Familie so nah wie niemals zuvor. Nach Paolos Tod waren Stefano und Antonio nicht anders mit ihr umgegangen als vorher. Sie hätte kein Mitleid, keine Vorzugsbehandlung ertragen und war dankbar, die plötzliche Leere in ihrem Leben mit Arbeit füllen zu können. Bis Guiseppe ein Machtwort gesprochen hatte. Sein Enkel hat seinen Vater verloren, das ist genug Schmerz für ein Kind. Ohne ein weiteres Wort passte er ihre Dienstpläne an, dass sie nach Schulschluss daheim war. Guiseppe, der wie sie Paolos Tod bis heute nicht verwunden hatte, aber ihr gegenüber tat er, als stünde er über allem und jedem.

Verträumt blickte sie zur Seite. Sie liebte Venedig. Anfangs war es eine Hassliebe gewesen, aber nun konnte sie sich nicht vorstellen, woanders zu leben. Hier war Aurelio geboren, hier erwarteten ihn Erinnerungen an seinen Vater. Ein paar Biegungen abwärts warfen die beleuchteten Säulen und Arkaden des Dogenpalastes gespenstische Schatten auf die Wände. Nur noch wenige Touristen schlenderten zu der späten Stunde durch die dunklen, engen Gassen im San Marco sestriere. Sie bewunderten die mit Scheinwerfern beleuchteten Pferde der Quadriga an der Westseite der Basilika San Marco, die bereit schienen, loszutraben. Die marmornen Statuen auf der Längsseite der Biblioteca Nazionale Marciana zeugten von der ruhmreichen Vergangenheit der venezianischen Seemacht. Unaufmerksame Besucher unterließen es sträflich, den auf den einst mühsam aufgestellten Säulen mit über vier Meter langen Löwen auf der Plattform ihre Aufmerksamkeit zu schenken.

Sie musste nicht auf der anderen Seite des Hafenbeckens stehen, um sich darüber wie Guiseppe und andere zu entrüsten. Wie viele Venezianer auch verurteilte sie, dass ihre Heimatstadt zu einem Vergnügungspark für Tagestouristen verkam. Die Schätze der einst reichen Seemacht des 14. Jahrhunderts fanden sich an unscheinbaren Orten. Sie waren allgegenwärtig, aber im 21. Jahrhundert zählten ein stabiler W-LAN-Empfang, getaktete Besichtigungen dank QR-Code und ein hastiges Selfie beim Carnivale di Venezia mehr. Grauenhaft, wie schamlos sich manche Besucher gebärdeten und sich ihnen die Schönheit verborgener Ecken oder Reliefs verschloss.

Ein Lichtstrahl aus der mit blauen Lettern ausgeschilderten Questera, dem Polizeipräsidium Venedigs, erhellte den Granitboden und schreckte sie jäh aus den Gedanken. Hastig trat sie aus dem Schatten eines ausrangierten Polizeibootes und wischte rasch die Tränen fort.

»Ist alles in Ordnung?« Guiseppes fülliger Körper warf deutliche Umrisse auf den Boden.

Ein Brummbär mit viel Herz, der mehr als nur ein Vorgesetzter war. Mit Paolos Tod vertiefte sich ihr Verhältnis. Vom trauernden Schwiegervater wandelte sich Guiseppe zu ihrem engsten Vertrauten. Er stand ihr in langen Nächten bei, in denen Aurelios Weinen ihr das Herz zerriss. Ihr Sohn sei viel zu jung, um das Schreckliche zu verstehen. Paolos vertraute Stimme, die den Jungen abends in den Schlaf sang, fehlte von einem Tag auf den anderen.

»Bene, ich komme gleich. – Wirklich, Guiseppe.«

Guiseppe blieb stehen und sah sie eindringlich an. Er traute ihr nicht. »Die Lagune stirbt nicht, wenn du eine Sekunde nicht auf sie achtest. Deine Kollegen hingegen kommen morgen nicht zur Arbeit, wenn du mir nicht hilfst, sie aus dem Büro zu jagen. Es dauert nicht mehr lange, bis du deinen Kontrollzwang ohne mein Einwirken ausleben wirst.«

Mit gespielt grimmigem Gesichtsausdruck eilte sie mit Guiseppe als Verstärkung ins Dienstzimmer zurück. »Die Party ist vorbei, Jungs«, erklärte sie und wollte gerade das Radio abstellen, als ein Jingle eine Sondermeldung verkündete. »Seid still!« Hastig drehte sie am Lautstärkeregler.

»Noch ist unklar, wie viele Tote durch das Unglück des Kreuzfahrtschiffes der Reederei OCEANDREAMS tatsächlich an der italienischen Küste zu beklagen sind. Experten halten vorzeitige Spekulationen über den Unfallhergang für gefährlich. Sie warnen …«

»Mamma mia!« Antonio hatte den Fernseher eingeschalten. Bilder des in Havarie geratenen Luxusliners ließen die ausgelassene Stimmung im Dienstquartier der Questera verpuffen. Kameras von Hubschraubern, die über der Unglücksstelle kreisten, zeigten leblos auf der aufgepeitschten Wasserfläche treibende Körper, bunte Koffer und zerborstene Wrackteile. Ein kleines Rettungsboot trieb mit dem Kiel nach oben.

Langsam kehrte Leben in die betrunkenen Männer. »1240 Passagiere, doppelt so viel wie die Mannschaft«, meldete Giorgio tonlos, als er den Hörer aufgelegt hatte. Das schreckliche Ereignis löschte seine Trunkenheit mit einem Schlag.

Stefano nickte bestätigend und wedelte mit einem Fax. »Die Küstenwache ist auf dem Weg zur Unglücksstelle, aber die Lage des Schiffes sei unstabil. Wie viele Menschen betroffen sind, scheint derzeit unklar. Es herrscht pures Chaos.«

1240 Menschen, die sich auf eine Kreuzfahrt durch das Mittelmeer freuten, erlebten unvorstellbares Leid. Und niemand wusste Genaueres. Alessandra wartete angespannt auf aussagekräftigere Fakten, Informationen über mögliche Gründe für das Unglück, das in wenigen Minuten das Leben vieler dramatisch veränderte. Die Nachrichtenticker rund um die Welt überschlugen sich im Minutentakt mit Meldungen, während sich die Pressemeldungen der Reederei auf den möglichen Schaden des Schiffes konzentrierten.

Der human factor wurde ausgeklammert. Vonseiten der Reederei hieß es, man sei bestürzt und versuche alles, um die Angehörigen rasch zu informieren. Die eingerichteten Hotlines brachen angesichts der vielen Anrufe verzweifelter Angehöriger nach wenigen Minuten zusammen. Alessandra verfolgte die einströmenden Nachrichten mit wachsendem Entsetzen. Sie konnte sich nicht vom Bildschirm losreißen, obwohl ihr das Schicksal der Menschen viel zu sehr naheging.

Heute gelang es ihr nicht, Job und Gefühle zu trennen. Für die Eltern, Ehepartner, Kinder und Freunde jener Menschen an Bord des Schiffes war die Ungewissheit unerträglich. Vor Tagen verabschiedeten sich die aufgeregten Kreuzfahrer mit einem glücklichen Lächeln und Vorfreude auf eine Traumreise ins Glück. Niemand kalkulierte in einem solchen Moment die Kosten einer Bergung, wenn es um Menschenleben ging, dachte an mögliche Abwrackzahlen oder gar Entschädigungszahlungen.

Offenbar befand sich bereits das Fernsehteam eines lokalen Senders an der Unglücksstelle. Hinter einer jungen Reporterin, die mit ihren Kollegen in dem kleinen Hafen ein provisorisches Mediencenter bezogen hatte, kauerten gerettete Passagiere des Schiffes auf notdürftig aufgestellten Feldbetten. Sie starrten teilnahmslos vor sich hin. Begriffen sie die Tragweite des Unglücks? Viele hüllten sich in Decken und versuchten verstört, den erbarmungslosen Kameralinsen auszuweichen.

Abgehacktes Weinen, verzweifelte Rufe nach den Liebsten, die noch immer als vermisst galten, brachten die leiderfahrenen Männer der italienischen Küstenwache zum Verstummen. Hektische Kamerabewegungen, das Meer schwankte – oder war es die Kamera, die unter dem Grauen des Gezeigten erbebte? Die junge Frau trat in einem unschuldig wirkenden weißen Kleid vor die Kamera. Carlotta Neri. Der Einspieler machte den Namen der bisher unbekannten TV-Reporterin schlagartig bekannt. Der Wind riss an ihren glänzenden Haaren, während sich Neri mit einem kurzen Blick auf die Unglücksstelle unweit des Festlandes zu vergewissern schien, dass es stimmte. Das war kein Blockbuster aus Hollywood, sondern live. Europa. Italien.

Schon mehrfach gab es Zwischenfälle mit Kreuzfahrtschiffen auf der ganzen Welt. Seitens der Reedereien fand man stets nachvollziehbare Gründe für die Unglücke. Unbekannte Strömungen, plötzlich aufkommender Wind, ein defektes Bugstrahlruder. Man zahlte horrende Summen, um negatives Material nicht nach außen dringen zu lassen. Viel Geld floss. Man entschädigte die Passagiere mit der Übernahme entstandener Unkosten und lockte mit fulminanten Rabatten für die nächste Kreuzfahrt. Es gab so vieles, das angesichts von Abertausenden Tonnen Stahl binnen Minuten zu einer tödlichen Gefahr werden konnte.

Wurde man als Passagier auf Sicherheitsmängel hingewiesen, darauf, dass die Karabiner und Seile der an Deck verstauten Rettungsinseln verrostet waren? Vage erinnerte sich Alessandra an einen Techniker, den sie bei einem Zwischenfall im Guidecca Kanal im Hafen kennengelernt hatte. Selbst er bestätigte, es könne kein Restrisiko in Aussage gestellt werden. Das wäre so fahrlässig wie die Aussage, die Titanic wäre unsinkbar.

»… technisches Versagen wird derzeit nicht ausgeschlossen …« Die junge Reporterin suchte nach den passenden Worten, um den Zuschauern in ihren warmen Wohnzimmern fern des Unglücksortes das Ausmaß dieser Tragödie zu verdeutlichen. Sie bemühte sich, die schrecklichen Nachrichten mit viel Herz zu vermitteln und kämpfte selbst mit den Tränen, bis die Kamera auf einen tropfnassen Teddybären zoomte. Neri schien nicht so sensationslüstern wie ihre Kollegen zu sein. Sie winkte hektisch in die Kamera.

Das harte Business des Journalismus forderte an diesem Tag genügend Opfer. War Neri resolut genug, sich zu behaupten? Inzwischen trafen weitere TV-Sender ein und berichten nun ebenfalls live vor Ort. Unerbittlich hielten sie verzweifelten Überlebenden das Mikrofon vor die Nase, zoomten mit ihren Kameralinsen auf rot unterlaufene Augen auf traumatisierte Kinder. Quote zählte, Tragödien pushten, perfetto. Je größer das Leid, desto höher die Zuschauerzahlen.

Alessandra schauderte vor Entsetzen, während Stefano sich durch die Kanäle zappte. Jeder größere Sender unterbrach das Programm und hielt die Zuschauer mit einem eingeblendeten Liveticker auf dem Laufenden. Bekannte Gesichter aus den Nachrichten und der Politik verkündeten ihre Anteilnahme. Das Gesicht mit einem Wimpernschlag auf »Unser aufrichtiges Beileid« getrimmt. Carlotta Neri dagegen überforderte die grauenhafte Situation. Ihre Augen waren gerötet, fieberhaft glitt ihr Blick aus dem Fokus des Kameramannes. Eine Familie verließ eben einen Rettungswagen. Das Gesicht verquollen von Tränen umklammerte die Mutter die Hand ihres Mannes, während dieser fassungslos auf den Unglücksort zurückblickte. Seine Hand zitterte, während er auf das – vor Stunden noch hell erleuchtete – Kreuzfahrtschiff zeigte. »Mein Sohn«, stammelte er und packte einen Sanitäter an seiner Jacke. »Sie werden ihn finden, nicht wahr? Mein Sohn ist auf diesem Schiff, retten Sie ihn.« Die Kamera näherte sich dem Familienvater.

Plötzlich erschien Neri im Bild. Mit hektischen Bewegungen drängte sie den Kameramann ab und blieb neben dem traumatisierten Mann stehen. Der Mann taumelte, sank auf den Boden und lag teilnahmslos auf dem Boden. Die Kamera schwenkte weiter, folgte überforderten Mitarbeitern des Roten Kreuzes. Sanitäter verteilten hektisch Wasserflaschen, die sie aus lächerlich bunten Plastikkörben zogen, die in dieser Situation wie blanker Hohn wirkten. Es war zu bunt dort. Zu laut. Zu schrecklich. Zu unrealistisch. Schalt weiter, wollte sie Stefano bitten, aber alle in der Dienststelle waren zu geschockt. Niemand konnte den Blick von den unbegreiflichen Bildern lösen.

Alessandra schüttelte benommen den Kopf. Die Katastrophe passierte sich nicht weit entfernt von Venedig, wenn sie die kaum lesbare Karte, die der Sender in diesem Moment einblendete, korrekt erkannte. Kaum auszudenken, wenn diese Katastrophe hier –

»Alessandra, dein Handy läutet«, bemerkte Guiseppe und drückte sanft ihren Arm. »Die armen Familien. Da freut man sich auf eine Kreuzfahrt und spart, um dann so zu enden? – Unfassbar, was für eine Tragödie!«

Sie nickte fassungslos. Ein Blick aufs Display verriet den Anruf ihrer Mutter. »Was ist denn schon wieder? Du hast mich doch erst vorgestern …« Nach einem kurzen Zögern drückte sie den Anruf weg und starrte wieder auf den Bildschirm. Wie ein Mahnmal ragte der Bug des einst so imposanten Schiffes von fast 300 Metern Länge aus dem Meer. Was geschah an Bord, wenn sich Hunderte Menschen panisch und mit letzter Kraft über Bord zu retten versuchten? Noch immer harrten Dutzende Menschen auf dem Schiff aus. Frauen in eleganten Abendkleidern versuchten, ans andere Ende des Schiffes zu kommen. Wie von ihren Schnüren befreite Marionetten taumelten sie umher.

Das Captainsdinner war wahrhaftig ein unvergessliches Ereignis. Die sorgfältig hochgesteckten Dutte hingen herab, verdeckten panisch große Augen. Schrille Stimmen gellten über die Decks, als das Schiff sich mit einem Ruck auf die Seite neigte. Um Hilfe rufende Menschen rutschten auf dem schiefer werdenden Deck ab, ihre Körper wurden brutal gegen die Reling geschleudert. Die ersten Live-Aufnahmen auf RAI Uno und anderen Sendern von der Amaryllis of the Ocean trieben Alessandra Tränen in die Augen. »Sie springen!« Sie schrie entsetzt auf, packte Guiseppes Arm. »Das ist doch Irrsinn. Wie hoch ist so ein Schiff?«

»40, 50 Meter?« Antonio stand neben ihr. »Das wäre Selbstmord. Es gibt keine Chance zu überleben.«

Wieder nickte sie. Stumm vor Entsetzen. Wie verzweifelt musste dieser Mann in seinem schwarzen Anzug sein, der versuchte, sich mit einem Sprung ins kalte Wasser zu retten? Er klammerte sich an die Reling und versuchte hochzusteigen. Sie meinte, seine Angst zu spüren. Es war sein Puls, der ihr Herz in einen gefährlichen Rhythmus versetzte, seine Angst, die ihr den Atem raubte. Dann ertönte ein schauriges Geräusch über die eben noch taghell beleuchteten Decks des Kreuzfahrtschiffes. Ein Teil des Schiffes schwand jäh in der Schwärze des Meeres.

»Mio dio! Das Schiff bricht auseinander wie die Titanic! Das ist nicht möglich. Da sind noch Menschen …« In Guiseppes Gesicht war die Bräune eines leidenschaftlichen Seglers einem bleichen Ton gewichen.

Wieder läutete ihr Handy. Abgelenkt nahm Alessandra das Gespräch an. »Mamma, es ist etwas Schreckliches passiert. Du … Wo bist du? Es dröhnt markerschütternd …« Sie sah die Bilder, die surreal mit den Geräuschen im Fernsehen harmonierten. Spürte den viel zitierten Flügelschlag des Schmetterlings auf der anderen Seite der Welt. Dann katapultierte die brutale Wirklichkeit sie in derselben Sekunde in ihr eigenes Schicksal. Hörte sie nicht das unmenschliche Stöhnen und Weinen ihrer Mutter, während sich das Schiff mit einem überraschend sanften Ruck weiter zur Seite neigte? Hörte sie den kollektiven Aufschrei der Menschen, die auf dem Schiff ausharrten und vergeblich um Hilfe schrien – aus ihrem Handy.

»Mamma?« Ihre Lippen zitterten, Tränen verschleierten ihren Blick. Sie griff ins Leere. Taumelte. Ihre Ohren vibrierten. »Mamma

»Ich liebe dich, principessa, hörst du. Gib Aurelio einen Kuss von seiner Nonna.« Die letzten Worte ihrer Mutter gingen in dem unheilvollen Krächzen und Kreischen von blankem Stahl unter. Den Ton der schrecklichen Ouvertüre erbarmungslos im Ohr, lieferten die dramatischen Bilder die noch schrecklichere Gewissheit. Ihre Mutter war dem Tod ausgeliefert. Teile des Oberdecks gaben unter dem Druck nach. Die stählernen Streben barsten wie morsches Holz und begruben alles unter sich. Die Erschütterung, einem Erdbeben gleich breitete sich über den gesamten Schiffsbau aus und zog ringförmige Kreise um das Schiff.

In diesem Moment gellte ein morbider Schrei in Alessandras Ohren. Sie hielt sich die Ohren zu, erschrak über die verzweifelte Kraft dieser Stimme, ihrer eigenen Stimme, die ihr gleichzeitig versagte, um Guiseppe zu rufen. Es erschien ihr wie Erlösung, als sich alles schwarz färbte und sie im Kreis ihrer Kollegen zusammenbrach.

Kapitel 1

Sie bahnen sich unbarmherzig einen Weg, um zu zerstören. Sie rafften weit weniger Menschen dahin wie bei der Pest, töteten langsam und qualvoll. Todesengeln gleich tanzen dunkle Rußpartikel grazil über deinem Kopf, dringen in deine Lunge und warten dort geduldig auf deinen Tod. Dieses Unglück kann jeder sehen, aber niemand tut etwas, um es aufzuhalten. La morte è vicina. Der Tod ist nah.

Tränenblind sah Alessandra von ihrem Notizbuch auf. Sie rang nach Atem und brauchte ein paar Sekunden, um ins Jetzt zurückzufinden. Wie so oft in den letzten fünf Jahren versank sie an manchen Tagen in eine tiefe Trauer, die sie vor Aurelio verbergen musste. Sie las in seinen Augen, wie besorgt er war. Der kleine Mann, der seinen Vater würdig vertreten wollte. Vergeblich versuchte sie bis heute diese unheilvolle Welt aus Profitgier, wirtschaftlichen Interessen skrupelloser Stakeholder zu verstehen. Akribisch suchte sie seitdem nach der Wahrheit hinter all den Lügen und Ungereimtheiten, die diese schreckliche Schiffskatastrophe ausgelöst hatte. Einem Sumpf gleich, der sie tiefer und tiefer hinabzog, ohne dass sie sich wehren konnte, wiederholte sie immer wieder die Fakten.

Mit lautem Knall klappte sie das vollgeschriebene Buch zu. Nach vorne sehen lautete die Devise. Das musste sie Guiseppe versprechen. Sie musste endlich aufhören, nach einem Schuldigen zu suchen. Zu viel stand für manche auf dem Spiel, um ein Opfer auf die Schlachtbank führen zu wollen, dessen Blut niemand auf sich schütten wollte. Es ging um viel Geld. Vor allem um Macht und die Gewissheit, den ungebrochenen Trend mit noch größeren Kreuzfahrtschiffen von Venedig oder Genua aus in See zu stechen. Jeden Tag kämpfte sie sich von Neuem ins Leben zurück, suchte nach einem Weg, mit der Vergangenheit Frieden zu schließen, Aurelio zuliebe. Jedes Schiff, das in die Lagune einfuhr, zerriss ihre Hoffnungen wie die Rußpartikel die Lungen ihrer Freunde und Nachbarn.

Unheilschwanger färbte sich der Himmel über der Lagune tiefrot, dann pestschwarz. Wie dunkle Dämonen tauchten die Kreuzfahrtschiffe auf, drangen ungebeten in die Idylle der Serenissima ein und setzten sich über das Leben anderer hinweg. Getrieben von Neugier, unstillbarer Gier nach Profit warfen sie unheilverkündende Schatten auf die bröckelnden Mauern und Hausfassaden der Serenissima. Verdunkelten das Licht in den Palazzi am Canal Grande beim Einlaufen. Verdrängten Tonnen von Wasser, dass die Boote in den Seitenkanälen gut 20 Zentimeter höher lagen. Frästen sich mit riesigen Bugstrahlrudern durch die seichte Lagune. Töteten unbewusst in jeder Sekunde, die das Dröhnen der Motoren tief in das kollektive Bewusstsein von Meeresbewohnern, Fundamenten und Venezianern drang. Sie waren alle längst dem Untergang geweiht! Es gab kein Entrinnen mehr. Bis es unmittelbar in der Serenissima zur Katastrophe kam, war es nur eine Frage der Zeit. Es war unvermeidbar.

Alessandra schauderte. Jedes Mal, wenn die Schlepper ein Kreuzfahrtschiff in die Lagune zog, wurde ihr bewusst, was für eine schreckliche Zeitbombe an ihr vorbeifuhr. Seit dem Morgengrauen kauerte sie am Kai auf der kleinen Insel San Giorgio, abseits des Touristenrummels im San Marco Sestriere. Auf San Giorgio und dem Canale della Guidecca ging es beschaulicher, stiller zu. Die Touristen eroberten den Campanile des kleinen Eilandes nur, um das atemberaubende Panorama auf den Markusplatz gegenüber zu erleben. Sie knipsten hastig ein paar Selfies vor der Kirche, bis das nächste Vaporetto kam und sie von dem verschlafenen Eiland rettete.

Vor dem Palazzo Ducale versammelte sich in den frühen Vormittagsstunden eine dichte Menschentraube, die sich das Spektakel eines einlaufenden Ozeangiganten nicht entgehen ließ. Alessandra glaubte begeisterte Rufe, aber auch Schreie der Entrüstung zu hören. Oh ja, sie wusste, wie klein und unbedeutend, wie ungeschützt man sich auf der anderen Seite des Markusbeckens fühlte. Der Boden vibrierte. Nur leicht, kaum spürbar angesichts der Menschenmassen, die zu Hunderten, gar Tausenden täglich über den unebenen Platz wogten.

Die regelmäßigen Erschütterungen von Schiffen, Menschen und Wasserbussen bildeten Risse auf dem Pflaster der Piazzetta. Teile der Fundamente, die den Kai, den Canal Grande sowie die vielen ri säumten, gaben dem ständigen Ein- und Auslaufen des vermehrt salzigen Lagunenwassers nach. Das allein zeigte doch deutlich, überlegte Alessandra, dass nicht allein die Umweltverschmutzung ihren Tribut forderte. Experten versuchten seit Jahren, die Bevölkerung und die Regierung aufzuklären, woher diese Verwerfungen kamen. In tieferen Bereichen richteten sie weitaus größeren Schaden an, unsichtbaren Schaden. Manche der Campanile neigten sich bedenklich zur Seite und boten den Besuchern pittoreske Aufnahmen. Sollte Venedig als die Stadt der schiefen Türme neue Geschichte schreiben?

Die nahe stehenden Häuser harrten würdevoll aus und hielten auf den ersten Blick dem schädigenden Einfluss von Motoren und verheerenden Schadstoffemissionen stand. Es gab belegbare Zahlen, anerkannte Studien und medizinische Gutachten, dass die Zahl der Krebserkrankungen in Venedig deutlich gestiegen war. Zahlen, die bei den Reedern, den großen Playern in der Politik und Konzernen auf Desinteresse stießen. Die steigenden Buchungszahlen und Vorbestellungen neuer Schiffe hingegen, die profitable Gewinne brachten, bevor sie noch Wasser unter dem gigantischen Kiel verspürten, waren vorrangiger.

Die Kälte des nahenden Herbstes spürend, trotzte Alessandra ihrem Wunsch, dem verhassten Schiff den Rücken zu kehren. Stattdessen blieb sie, kauerte vor dem blendend weiß gestrichenen Leuchtturm der Insel und biss sich auf die Lippen, um nicht ihren Zorn hinauszuschreien. Sie schmeckte Blut.

Die Kälte fraß sich tiefer unter ihre Jacke, aber sie konnte sich von dem schrecklichen Anblick nicht lösen.

Jede Passage zog sie magisch an: Erfüllt von Angst, was passieren könnte, wenn niemand kontrollierte und gleichzeitig mit einem Hoffnungsschimmer, diesem ignoranten Treiben irgendwann ein Ende zu setzen.

War sie denn wirklich die Einzige, die erkannte, wie gefährlich es war, diesen Ungetümen nicht die Zufahrt zu entsagen?

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Eine junge Polizistin gegen …

DER Venedig-Thriller – Buchpremiere am 30.1.2021!

Auch die Kreuzfahrtindustrie ist in diesen Zeiten gefordert, kämpft ums Überleben – wie Venedig und seine Bewohner. Dieses Buch “Maskenball des Todes” ist auch den tapferen Umweltaktivisten von NO GRANDE NAVI gewidmet, die seit Jahren wie gegen Windmühlen gegen die Durchfahrten dieser Ozeanriesen kämpfen!

Ich hoffe, ihr stoßt mit mir auf meinen neuen Venedig-Roman “Maskenball des Todes” an. Mit Aperol sprizz, Limoncello, Grappa oder Sekt, egal was! Lasst uns feiern und diesen Augenblick genießen, von unseren schönsten Momenten in Italien träumen und hoffen, dass wir bald wieder dort sind! Bis dahin – Buona settimana!

Ciao Manu
Autorin und Bloggerin aus Leidenschaft, die Euch gerne auf ihren Recherche-Reisen quer durch Italien mitnimmt!

Anniversario primo

Ja, tatsächlich ist es schon länger als ein Jahr, denn am 1. Oktober 2019 startete ich meinen Bella Amore Mio – Italienblog inklusive Autorenblog. Und wie manche von euch richtig bemerkt haben, blieben manchmal Artikel aus. Es passiert einerseits zu viel in meinem Leben, andererseits zu wenig für Bella Italia.

Das ist nicht ganz richtig. Natürlich passiert viel, aber Corona hat mir meine Reiseplanung komplett über den Haufen geschmissen und sogar mein anniversario primo ging dabei unter. Das Lektorat läuft und läuft. Theoretisch könnte ich meinen Laptop überall aufstellen, auch in Italien. Ich warte nur noch auf eine günstige Gelegenheit, um diesen Plan endlich in die Tat umzusetzen.

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Ich liebe sie … Geschlechtertürme – in Florenz, aber auch in San Gimignano oder Siena gibt es sie.

Italienblog ohne Italia?

Tatsächlich bin ich geistig und schreiberisch ständig in Italien, wenn man es genau betrachtet. In knapp zwei Wochen bekomme ich vom Gmeiner Verlag mein lektoriertes Manuskript zurück und dann geht es mal um meinen eigenen Text, den ich nochmals intensiv überarbeiten muss, bevor er dann mit Titel, Cover, Klappentext & Co versorgt wird. Dazu möchte ich ja unbedingt nach Florenz, um neue Videos und Fotos zu machen.

Es gibt sogar schon eine eigene Pageflow-Seite für meinen historischen Florenz-Roman, der im Juli 2021 erscheint. Ach, einerseits läuft die Zeit so schnell, andererseits kann ich es kaum erwarten, diesen Moment zu feiern und zu genießen. Und dann heißt es Geduld haben, die ersten Reaktionen meiner Leser und Leserinnen abzuwarten und durchzuatmen. Schließlich bin ich längst an neuen Projekten dran bzw. liegen die bereits der Literaturagentur vor. Also bleibt mir Italien immer treu.

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Filippo Brunelleschi – mein echter Held im historischen Florenz-Roman (ab 14.7.2021 bei Gmeiner Verlag)

Schöne Momente genießen

Ich möchte zur Feier des Tages einfach meine Liebe zu Italien weiterschenken und hier einige Aufnahmen vorstellen, die mir sehr am Herzen liegen. Kalabrien geriet kürzlich wieder in die Schlagzeilen wegen der Verfilmung mit Ferch wegen der brutalen Duisburg-Morde. Thema der Schlagzeilen war aber nicht nur die Ndrangheta, sondern auch das leidige Thema Müll, der auf der Straße herumliegt.

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Heimfahrt von den Äolischen Inseln …

Wer das liest und Kalabrien nicht kennt, glaubt, er ist in einer Müllhalde unterwegs. Tatsache ist jedoch, dass man solche Regionen auch in Österreich oder Deutschland entdecken könnte, vielleicht weiter entfernt als unmittelbar in einem kleinen kalabrischen Dorf, aber Städte wie Tropea zum Beispiel oder Gerace achten auf ihre Vorbildwirkung in puncto Mülltrennung.

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Tropea, die Perle Kalabriens …

Wen wundert es dann, wenn sich manche Klischees halten wie Pech? Mich regt das richtig auf. Als würden alle Kalabresen ihren Müll einfach vor der Haustür entsorgen! Non niente! Und damit basta! Lieber mal hinter die Kulissen schauen und sich ein Bild vom Leben machen, bevor man Klischees bedient.

Kreuzfahrtschiffe in Venedig

Auch dieses Thema ist weiterhin präsent in meiner Agenda. Aus der Serenissima läuft noch kein Schiff aus, aber in anderen Destinationen merkt man, dass die Nachfrage steigt. Sogar ohne Landgang boomen solche Kreuzfahrten, denn viele vermissen das Ambiente, das Urlaubsgefühl …

In Autorenkreisen führen wir übrigens seit einiger Zeit die heiße Diskussion, ob man das Tragen von Masken in seinen Büchern mitnimmt oder nicht. Bisher habe ich mich geweigert, aber irgendwann wird es wohl doch Thema sein.

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Umweltschutz sieht wohl anders aus. Viele Kreuzfahrtschiffe sind von der Umrüstung auf LNG und Scrubber weit entfernt.

Wer hätte geahnt, dass das Jahr so heftig weiterverläuft, als in Venetien und der Lombardei die ersten Krankheitsfälle bekannt wurden? Ich ahnte etwas, aber ich hätte nicht gedacht, dass diese letzten Monate so heftig werden für alle Wirtschaftszweige, für uns Menschen, für die Beziehung, unser Bankkonto – unsere Lebenspläne und das Gefühl, unbesiegbar zu sein.

Happy Anniversario primo mio blog di Italia!

Cin Cin! Auf Italien, auf meine lieben Freunde dort, auf neue Bekanntschaften, die mir viel über Land und Leute verraten und vor allem Cin Cin, meine lieben Blogleser, die ihr regelmäßig reinliest oder meinen Blog sogar schon weiterempfiehlt!

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Bella Amore Mio – der Italien-Blog für alle, die Italien lieben (und Romane aus Bella Italia)

Ich bedanke mich herzlich für euer wachsendes Interesse und lade euch weiterhin herzlich ein, mir zu folgen, wenn es heißt “Andiamo da Italia!”

Ich hoffe, ihr stoßt mit mir auf den anniversario primo an. Mit Aperol sprizz, Limoncello, Grappa oder einem Sekt, egal was! Lasst uns feiern und diesen Augenblick genießen, von unseren schönsten Momenten in Italien träumen und hoffen, dass wir bald wieder dort sind! Bis dahin – Buona settimana!

Ciao Manu
Autorin und Bloggerin aus Leidenschaft, die Euch gerne auf ihren Recherche-Reisen quer durch Italien mitnimmt!

Bella Calabria – Roman

Ihr wisst ja, dass ich an einem neuen Roman arbeite bzw. einer Romanreihe: Bella Calabria – Roman entsteht. Der erste Band ist fertig und in den letzten Tagen kam das Feedback zurück. Testleserin 1 schlug sich gleich die Nacht um die Ohren, weil sie unbedingt wissen wollte, wie diese romantisch-dramatische Geschichte meiner Heldin Elisabetta endet. Und ob dieser charmante Reiseleiter Carmine …

Ich verrate nichts, nur: Auch Testleserin 2 war total aus dem Häuschen und fragte, ob ich italienische Wurzeln hätte. No, leider nicht! Aber offenbar ist meine Liebe zu diesem Landstrich namens Kalabrien tatsächlich so in die Charaktere eingedrungen, hat meine Leser ebenso gefangen wie mich beim Schreiben.

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Abendstimmung an der Costa degli Dei

Und natürlich blieb die Frage nicht aus, wie dieser Roman entstanden ist. Eine vage Idee, eine Reise und ich flog mit Herzschmerz nach Hause. Die Sehnsucht, bezaubernde Städte wie Tropea oder Scilla mit seinem pittoresken Hafenviertel Chianalea bald wiederzusehen, war so groß, dass ich tatsächlich ein paar Wochen später bereits wieder in Lamezia Terme landete. Ich hatte das Gefühl, “nach Hause zu kommen”.

Klingt verrückt, ! Ich liebe meine Schauplätze, Venedig, Florenz, Rom u.v.m., aber Kalabrien hat mich bis ins Innere gefangen genommen. Der Beweis ist dieses Buch. Nun habe ich inzwischen auch meiner Agentin den Mund wässrig gemacht. Ist ja perfetto, im Herbst ein Stück von Bella Italia zu erleben und sich ein Glas Limoncello zu gönnen.

Vor Ort schreiben – der Heilige Gral der Autoren?

Normalerweise kann ich überall schreiben und plotten, aber auch in diesem Buch lief es bei Bella Calabria – Roman anders. Zum einen schrieb ich viele Szenen unmittelbar vor Ort. Vor meinem geliebten Palazzo Ruffo, im Hafen oder am Strand, in einem der vielen Cafés oder auf Stromboli. Egal wo, das Herz lief mir über vor Ideen und Wärme (abgesehen von den tropisch anmutenden Temperaturen, da in Tropea im Sommer über 80 Prozent Luftfeuchtigkeit angesagt ist).

Unterwegs kamen mir viele Ideen für mögliche Szenen, ich bekam durch die verschiedenen Besichtigungen in Pizzo oder bei meinem Ausflügen auf die Liparischen Inseln neue Eindrücke. Dazu das herrliche Wetter, die süßen Italiener und die Sprache. Kalabrien war auch definitiv ausschlaggebend dafür, dass ich nun endlich tatsächlich Italienisch lernen wollte.

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Lach. Das Foto entging mir. Ausnahmsweise mal ein misslungener Schnappschuss … 😉

Wie arbeitest du auf Reisen?

Falls ich nicht gerade auf einer sehr intensiven Rundreise bin, ist der Laptop mit dabei. Das ist auf Dauer einfacher als ständig die Notizen zu übertragen. Allerdings habe ich gerade in Kalabrien dann einfach jede Möglichkeit genutzt, Ideen festzuhalten: Meine kleinen Notizbücher waren überraschend schnell voll.

So mussten Notizblöcke von Kellnern herhalten und Servietten, bis ich in einem kleinen tabacco in der Nähe meines Hotels Schreibblöcke fand. Ich war sicher die erste Kundin, die vor lauter Freude über diesen Kauf den Tränen nahe war. Keine Frage. Natürlich war der Block dann auch leer, bevor ich den Heimflug antrat.

Außerdem habe ich die Vorteile von Apps kennengelernt. Ich halte gleich fest, was ich szenisch im Kopf habe oder ich mach mir zumindest bei Zeitmangel eine Notiz via Handy, um den Bella Calabria – Roman nicht entfliehen zu lassen.

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Bella Calaria Roman – Beim Heimflug musste die Serviette herhalten … ich war voll mit Ideen

Wenn Autorin einen Kaufrausch hat …

Ich kann entspannt an den schönsten Boutiquen Italiens vorbeigehen, aber an keiner Buchhandlung oder einem Souvenirshop. Meine Leidenschaft auf Recherchetour gehört den kleinen Freuden des Autorenalltags. Der Markuslöwe, ein Mini-Kalender Kalabriens, ein Bund Cipolla rossa oder ein Jahreskalender von Rom. Diese Schätze schleppe ich liebend gern nach Hause.

Auch die Kulinarik kommt dabei nicht zu kurz. Bunte Nudeln, die scharfe Nduja oder leckere Pistaziencreme landet ebenso im Koffer wie diverse Olivenöle. Nicht zu vergessen, Bücher! Gerade vor Ort werde ich oft fündig, unbekannte Reiseführer, Fotobände, Landkarten u.ä. untermalen die Stimmung und sind später ein schönes Erinnerungsfoto wert, wenn der Verlag mal danach fragen sollte.

Trennen konnte ich mich bislang von keinem solcher Stücke. Selbst nach Jahren horte ich hier noch Bruchstücke von Meißener Porzellan, mit offizieller Erlaubnis aus dem tiefsten Kellerböden der Albrechtsburg mit den Fingernägeln dem Erdreich entrissen, das Straßburger Münster in Goldminiatur oder ein Schlüssel zur Alhambra in Granada. Auch von Bella Italia hab ich schon viel mitgenommen, aber gegen die wachsende Sehnsucht ist das leider nur ein schwacher Trost.

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BELLA CALABRIA – Ein weiteres Hotel am Strand – Costa degli Dei

Zuerst die Figur, dann die Geschichte oder umgekehrt?

Ich kann es nicht sagen. Es ist ein Miteinander, ein Geben und Nehmen, und plötzlich stellst du fest, das fügt sich alles so wunderschön, als wäre es geplottet von A bis Z. Ist es aber nicht. Der Kalabrienroman entstand tatsächlich durch meine emotionale Bindung zu dieser Region. Auch mein Lebensgefährte, der mich in allem super unterstützt, stellte das verblüfft. Kalabrien hätte mich verändert, etwas wäre anders und genau das ist wohl das wahre Geheimnis dieses Buches, dem Auftakt zu einer Buchreihe, die ich unbedingt veröffentlichen möchte.

Das schönste Feedback war nämlich, dass ich nicht die Klischees Italiens bedient habe, sondern auch die Schattenseiten in die Geschichte eingewoben habe und diese dennoch nie die scheinbar kinderleicht eingeflochtene Leichtigkeit unterbrochen hätte. Schöner geht es nicht mehr, finde ich.

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Abschied von Stromboli (Eddu)

Nun überlasse ich euch noch der ansteckenden Melodie einer Tarantella. Auch das hat mich geprägt. Obwohl manche Lieder sehr archaisch und traurig klingen, verstehen die Kalabresen es, das Leben auch unter den einfachsten Bedingungen zu lieben – und vor allem zu feiern! Allerdings ist das Video mehr ein Werbevideo für das Hotel, aber egal. Ansatzweise bekommt ihr die getanzte Lebensfreude mit! Seufz …

Ich hoffe, der kurze Einblick in meine Arbeit als Autorin hat euch gefallen. Vielleicht habt ihr Gelegenheit, Kalabrien im nächsten Jahr zu besuchen. Tut es, denn der Tourismus braucht euch und die Menschen sind so herzlich, wenn sie ihr Misstrauen einmal verloren haben.

Buona settimana!

Ciao Manu
Autorin und Bloggerin aus Leidenschaft, die Euch gerne auf ihren Recherche-Reisen quer durch Italien mitnimmt!

Firenze – Ein Traum wird endlich wahr!

Firenze, also Florenz, ist eines meiner längsten Buchprojekte und nach all den Jahren ist es endlich wahr geworden: Mein neuer historischer Roman erscheint im Herbst 2021 beim Gmeiner Verlag. Inzwischen ist alles in trockenen Tüchern und ich bin so glücklich, dass ich euch das natürlich nicht länger verheimlichen will.

Zum Inhalt darf ich allerdings nicht viel verraten, aber wenn ihr den heutigen Blog liest und die Fotos dazu betrachtet, wird es einfacher sein, dieses Rätsel um Firenze – Ein Traum wird endlich wahr! leichter zu lösen.

Am liebsten würde ich die Koffer packen und nach Florenz fliegen, aber – ja genau, Corona macht weiterhin alle Reisepläne zunichte. Ich habe ja noch Zeit, aber die Ungeduld, endlich wieder die Cupola von Florenz zu sehen, am Ufer des Arno zu flanieren und den Palazzo Vecchio zu besuchen … In den nächsten Monaten gilt es, die Vorschläge meines lieben Lektors, einem studierten Historiker, umzusetzen und das Buch zu einem echten Highlight für Fans von historischen Romanen zu machen.

In Gedenken an …

Mit dem Firenze – Roman ist allerdings auch viel Schmerz verbunden. Meine erste Testleserin war meine Mutter, eine begeisterte Leserin, aber als Kritikerin war sie schlichtweg überfordert. Doch sie glaubte an mich. Bis zum bitteren Ende, denn leider starb sie an Lungenkrebs und kann heute nicht miterleben, wie glücklich ich bin, dass ausgerechnet unser Firenze mein Verlagsautorencomeback ermöglicht.

Meine Mutter war auch bei den ersten Recherchereisen dabei, in Venedig als auch für Firenze. Wir hatten in Florenz perfekten Sonnenschein, aber es war vor allem für sie sehr anstrengend, mir von Stopp A nach Stopp B zu folgen. Zwischendurch musste eine Pause sein, auf einen caffé oder ein gelato.

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Ich liebe diese Bögen und Türme, egal wo in Italien.

Als ich zum ersten Mal nach ihrem Tod allein in Florenz unterwegs war, fiel mir das sehr schwer. Es gab so viele gemeinsame Erinnerungen in dieser herrlichen Stadt, dass es dann trotz dem Interesse eines großen Publikumverlags zu einer Schreibblockade kam … Heute darf ich mich nicht fragen, wie meine Autorenkarriere verlaufen wäre, wenn ich damals nicht zu Ende geschrieben hätte.

Nun, es ist, wie es ist. Und beim Gmeiner Verlag freue ich mich auf eine sehr sympathische, engagierte Zusammenarbeit. Das Team liebt offenbar meinen Firenze Roman und das ist ein sehr schönes Gefühl, das die schmerzlichen Erinnerungen etwas übertüncht.

Geschlechtertürme – Demonstration der Macht

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Hier noch ein Beispiel für einen Geschlechterturm in Florenz.

Die Geschlechtertürme gibt es auch in San Gimignano oder Bologna, aber für meinen Firenze Roman spielen sie in Florenz eine wichtige Rolle. Achtet auf die unterschiedlichen Ausführungen von Mauerwerk, Fenster und Etagen. Kein Wunder, dass die Gassen schon am Nachmittag stockfinster waren.

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Die trutzigen Bauten dienten auch als Abschreckung unter den verfeindeten Patrizierfamilien in Florenz.

Palazzo Davanzati – ein Paradebeispiel für die Renaissance

Beim Palazzo Davanzati war es Liebe auf den ersten Blick. Dieser eindrucksvolle Palazzo sollte das Heim meiner Heldin Juliana werden. Von hier aus würde sie sich gedanklich in die Höhen des Florentiner Doms träumen, zu der unvollendeten cupola.

Die fortschrittlichen Neuerungen wie fließendes Wasser oder ein Küchenaufzug waren für die Florentiner damals wirklich einzigartig. Julianas Vater, ein notario, kann sich ein solches Paradies leisten, aber wenn man in dem Palazzo steht und ihn mit eigenen Augen sieht … perfetto.

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Palazzo Davanzati an einem weniger sonnigen Tag … Achtet auf die Loggia oben!

Das kommt auf den teils älteren Fotos hier gar nicht so raus, wie imposant das Gebäude ist. Ich hatte dort lange Zeit zugebracht. Zu lange, denn das Sicherheitspersonal folgte mir von Viertelstunde zu Viertelstunde länger. Während normale Besucher wohl nach einer halben Stunde mit der Besichtigung durch waren, stand ich erst im piano nobile und machte emsig Fotos, überlegte mir mögliche Details für die Geschichte. Vor Ort ist das gänzlich was anderes, sofern man nicht mit Argusaugen beobachtet wird. Seufz.

Bei meinem nächsten Besuch kann ich den Leuten dort wohl sogar schon in Italienisch erklären, warum es mir wichtig ist, mir Zeit zu lassen. Vielleicht stimmt sie das gnädiger?

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Der Palazzo mit seinem Bollwerk ist sehenswert.

Palazzo Vecchio

Die geheime Führung im Palazzo Vecchio darf ich nicht verraten, außer dass sie sehr interessant war. Allerdings wird das Ausmaß der gezeigten Geheimgänge und Säle ähnlich wie beim Palazzo Ducale in Venedig heutzutage geringer sein als damals. Dennoch ist er sehenswert und bot für meine Recherchen jede Menge Potential für kleine Infospots und Szenen mit Dramatik. Wer denkt, dass es nur in Rom Löwen gab, der irrt …

Vor dem Palazzo Vecchio steht auch heute noch ein göttlich anzusehender Mann. David. Die Kunstfertigkeit von Michelangelo zeigt sich hier von seiner schönsten Seite. Nein ernsthaft, jede Falte, Beugungen der Fingerglieder und vieles mehr machen diese Skulptur zu Recht zu einem Highlight jeder Firenze Reise.

Und auf der Piazza della Signoria geht es weiter mit den Besichtigungen, denn Florenz ist in der Tat eine Freiluftbühne der Renaissance. Wer sich bis nächstes Jahr geduldet, nimmt am besten meinen Roman mit und folgt Juliana. So ist das ein besonders schönes Leseerlebnis, denke ich, und es zollt Künstlern wie Filippo Brunelleschi oder Donatello den wohlverdienten Tribut.

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Innenhof des Palazzo Vecchio

La cupola – Das Herzstück meines Romans

Wer atemlos auf der Plattform der Kuppel steht, ahnt nicht, welch unmenschliche Kräfte und Ideen für den Bau dieses Kunstwerks nötig waren. Angeblich verlor nur ein einziger Mann sein Leben bei den Bauarbeiten. Filippo Brunelleschi erfand vielerlei Maschinen, um die Arbeiten zu erleichtern.

Manche sieht man beim Aufstieg in den Zwischenetagen, aber noch mehr Infos erhaltet ihr im Museo dell Opera, wo es neben der Totenmaske von Filippo, dem Modell der cupola und viel Literatur noch viele Details zu entdecken gibt, wie die cupola entstanden ist.

Der Aufstieg zieht sich über 500 Stufen, aber es gibt doch immer wieder die Möglichkeit, kurz Pause zu machen und auf das Verständnis anderer Besucher zu hoffen, wenn man gerade wirklich mal einen Notstopp machen muss. Aber die Mühe lohnt sich, denn so kann man die einzelnen Bauschritte gut nachvollziehen und angesichts der Tatsache, dass diese Kuppel bis heute steht …

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Brunelleschi setzte auf eine innere und äußere Verschalung.

Allein das Fischgrätmuster und andere Details, die ihr in meinem Firenze Roman nachlesen könnt, begeistern mich bis heute immer wieder aufs Neue. Kein Stein sitzt dort einfach so. Und mit seiner absoluten Überzeugung einer beinahe schwebenden Kuppel machte sich Pippo nicht immer Freunde. Aus den Sitzungen aus dem Rat der Signoria wurde Brunelleschi regelmäßig rausgeworfen. Ich verehre diesen Mann und ihr werdet viele Kirchen bzw. Bauwerke finden in Florenz, die unter Filippo Brunelleschis Plänen entstanden sind.

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Platzangst sollte man angesichts der knapp 500 Stufen nicht haben!
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Filippo Brunelleschis Blick ruht bis heute auf seiner geliebten cupola!

Ich wünsche euch viel Freude bei eurem nächsten Florenz-Aufenthalt. Ob mit oder ohne meinem Firenze-Roman. Herbst 2021 ist es soweit, evtl. auch Spätsommer. Und bis dahin verratet mir doch, ob ihr Florenz bereits besucht habt. Wo habt ihr gewohnt? Ich hatte ein Hotel mit einer herrlichen Dachterrasse. Das Zimmer war winzig und stickig, aber die Terrasse war besonders am Abend ein absoluter Traum. Buona settimana!

Ciao Manu
Autorin und Bloggerin aus Leidenschaft, die Euch gerne auf ihren Recherche-Reisen quer durch Italien mitnimmt!

Italienisch pur!

Italienisch pur!

Italien bestimmt derzeit mein Leben, könnte man sagen. Italienisch-pur! Ich arbeite auf Hochtouren an einem neuen Manuskript für die Kalabrien-Reihe und geistig plane ich neue Recherchetouren in Apulien und dem Golf von Sorrent. Natürlich lasse ich euch über meinen Bellaamoremio – Blog gerne daran teilhaben. Es ist viel schöner, seine Leidenschaft für Italien nicht nur über die Bücher zu teilen, sondern auch mit dem Wissen, dass ihr selbst vom Bella Italia-Virus infiziert seid. Sí?

In den Weihnachtsfeiertagen habe ich mir neue Bücher bestellt, konnte aber leider noch nicht reinlesen, da privat und beruflich so vieles passierte, was leider nicht nur positiv ist. So konnte ich auch nicht wie gewohnt am Dienstag meinen neuen Blogartikel hochladen. Ich war sehr traurig und möchte mich an dieser Stelle entschuldigen, dass ihr nicht wie üblich pünktlich um 18 Uhr Dienstagabend nach Italien reisen konntet.

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Palazzo Ruffo, Tropea, Kalabrien: Ein gutes Beispiel, wie schwierig der Denkmalschutz in Italien ist.

Mein Italienisch-Kurs geht weiter!

Der Großteil meiner lieben Kursteilnehmer macht im Februar weiter, was mich sehr freut. Wir sind eine sehr lustige und lernfreudige Gruppe. Außerdem merke ich, dass so manches inzwischen hängenbleibt, auch wenn es manchmal kleine Blackouts gibt. Ich bin gespannt, ob ich mich bei nächster Gelegenheit traue, meine Italienisch-Kenntnisse vor Ort zu testen.

Und ich habe mich für den letztes Semester abgesagten Kurs zu den “italienischen Gesten” angemeldet. Drückt mir die Daumen, dass der Termin diesmal steht und nicht wieder kurzfristig gecancelt wird. ich will Italien mit allen Sinnen entdecken und kennenlernen. Die Gestik ist neben der Sprache für mich als Autorin sehr wichtig. Außerdem mag ich mich nicht outen, indem ich mal eine Geste falsch mache. Die Interpretierungsmöglichkeiten sind “Italienisch Pur”, also mit Vorsicht anwenden und nur dann, wenn man sich wirklich 100 % sicher ist, das Richtige zu gestikulieren. Sonst wird es rasch sehr, sehr peinlich.

Übrigens stieß ich in den Weihnachtsferien auf eine tolle Website namens 7sensi, die mir die Besonderheiten der italienischen Grammatik sehr gut erklärte. Jetzt kapier ich endlich, warum es mit den weiblichen und männlichen Artikeln etwas komplizierter ist als im Deutschen. Mille grazie!

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Das lästige Gerüst ist inzwischen weg und man hat wieder einen ungetrübten Blick …

Mare blu, gelato e amore – der nächste Sommer kommt bestimmt!

Die Tourismusverbände rühren bereits fleißig die Werbetrommel und locken mit farbenfrohen Prospekten und Fernsehspots. Ich schmelze vor Sehnsucht wie Gelato dahin, ehrlich gesagt. In Tropea, im wunderschönen Kalabrien, sind die Temperaturen aktuell sehr einladend. Jeden Tag gibt es rund 15 Grad und manchmal auch Sonne, leider auch öfters Regen, typisch für diese Jahreszeit.

Umso schöner, wenn man Reisepläne schmieden kann oder zumindest in den Manuskripten den süßen Sommer an den italienischen Stränden heraufbeschwören kann. Speziell für Kalabrien bin ich noch immer voller Ideen, dass ich auf das Feedback meiner Literaturagentin sehr neugierig bin. Sie liebt Italien ebenso sehr und ich denke, ich kann ihr mit dieser Buchreihe die Arbeit ein wenig versüßen. Ein Glas Aperol Spritz dazu, italienische Lovesongs über Spotify und schon geht die Lesereise los.

News um geplante Projekte und Romane

Trotz der schwierigen Zeiten bin ich, wenn ich die nötige Ruhe finde, sehr umtriebig. In den nächsten Tagen startet eine kleine Werbe-Aktion für meinen historischen Venedig-Roman “Nebel über dem Canal Grande”. Die Challenge läuft über Instagram, aber natürlich werde ich sie auch über Facebook und Pinterest teilen und in meinem Blog darüber berichten. Frei nach dem Motto italienisch-pur.

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Textschnipsel aus “Nebel über dem Canal Grande” – Manuela Tengler

Nachdem Venedig ja in den vergangenen Wochen erneut oft in den Schlagzeilen zu finden war, ist mein Venedig-Thriller aktuell in den Händen meiner Literaturagentur und bietet einen brandaktuellen Stoff. Aktueller geht es kaum, denke ich. Aber abwarten – und Aperol Spritz trinken und Italienisch-pur genießen, bis man endlich wieder in Bella Italia ist!

Italienisch-pur auf eigene Faust entdecken!

Wegen der Textschnipsel für die Instagram-Aktion wühlte ich wieder viel in den Fotos und Videos von Venedig. Selbst ich habe das Drama um die Verbote für die Kreuzfahrtschiffe und das immer wieder verschobene Startdatum für M.O.S.E zum Schutz vor solch dramatischen Überflutungen in den vergangenen Jahren verfolgt: Geändert hat sich bis heute nichts. Ich bin skeptisch und relativ sicher, dass auch im kommenden Frühjahr die Kreuzfahrtschiffe wieder über das alte Terminal auslaufen werden. Die Gefahrenquelle Kreuzfahrttourismus wird weiter für die Aktivisten von No-Grande-Navi ein Dorn im Auge bleiben, die Gesundheit der Venezianer wird weiter leiden … mi dispiace! Da merkt man wenig von italienisch-pur, oder?

Ciao Manu
Autorin und Bloggerin aus Leidenschaft, die Euch gerne auf ihren Recherche-Reisen quer durch Italien mitnimmt!

Florenz – Stadt der Künste

Florenz ist der aktuelle Schauplatz meiner historischen Romane. Das Manuskript liegt bei der Agentur und wird interessierten Lektoren vorgestellt. Eine spannende Sache. Leider ist die Zahl der Programmplätze begrenzt. Spannend. Macht Florenz das Rennen? Natürlich schreiben viele meiner Kollegen tolle historische Romane.

Es wäre toll, wenn es endlich klappt. An diesem Buch arbeite ich seit Jahren. Leider mit Unterbrechungen. Ich zeige euch meine schönsten Plätze in Firenze.

Quer durch Florenz auf den Spuren einer Autorin

Einer meiner Lieblingsplätze und Hauptlocation des Romans ist die berühmte Kuppel von Brunelleschi. An der Seite des Campanile findet ihr eine Statue von Filippo Brunelleschi. Der Kuppelbauer schuf in Florenz und der Toskana noch andere Bauwerke.

Ihr solltet euch Zeit nehmen, das Gesamtkunstwerk zu betrachten. Auch die Besichtigung der Kuppel ist sensationell. Ihr erkennt die einzelnen Baustufen und viele Exponate. Beispielsweise ein Kran, den Filippo erfunden hat. An der Cupola hängen viele Erfindungen und Ereignisse. Es macht mich traurig , wie vergesslich solche Meisterwerke sind.

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Cupola innen

Jedenfalls ist es für mich immer ein tolles Erlebnis, die Stufen hochzukeuchen und mit den Fingern über die versetzten Backsteine zu streichen. Ja, genau, im Fischgrät-Muster, so wie ich es in meinem Florenz-Roman beschrieben habe. Wahnsinn, oder? Stein für Stein, Quader für Quader. Brunelleschi vertraute darauf, dass diese Kuppel hält. 1436 war es dann soweit. Das war ein Ereignis, für das die Menschen aus allen Teilen Italiens angereist waren. Sie wollten dieses Wunder selbst sehen. Nur ein Mann verlor sein Leben. Angesichts einer Bauzeit von 16 Jahren und für die damalige Zeit beachtlich!!

Recherche am Schreibtisch und vor Ort in Florenz

Phasenweise versank mein Laptop zu beiden Seiten zwischen Büchern. Oberhalb des Sideboards hingen Pläne und Zeittafeln . Filippo Brunelleschi hatte weniger Licht beim Arbeiten. Trotzdem schaffte er Einzigartiges.

Natürlich fand die Recherche nicht nur am Schreibtisch statt. Es ging nach Florenz, mehrfach. Nichts ist besser, als sich die Inspiration vor Ort zu holen. Es schreibt sich anders, wenn man die Bauwerke live vor sich hat. Allerdings war es zeitlich unmöglich, den 450 Seiten umfassenden Roman in Florenz zu schreiben. Damals arbeitete ich noch anders. Mehr Bauchgefühl, weniger Plot-Vorarbeit. Heute ist das anders.

Und das Bauchgefühl kommt beim Vorplotten nicht zu kurz. Es ist schwierig, an manchen Orten die Zeitreise zu meistern. Vieles hat sich verändert. Man kann die Touristenströme nicht ausblenden. Oftmals bin ich zu späterer Stunde unterwegs. Da ist es ruhiger und ich kann einen klaren Gedanken fassen.

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Ein kleiner Einblick … abgesehen von den Buchstapeln daneben

Palazzo Davanzati – mein “Zuhause” für meine Heldin

Einer der schönsten Palazzi in Florenz ist der Palazzo Davanzati. Er ist das Zuhause meiner Heldin Juliana. Außerdem war der Palazzo für seine Zeit damals modern und außergewöhnlich. Es gab einen Aufzug für Speisen. Dickes Bollwerk schützte den Palazzo. Mehr könnt ihr nachlesen, wenn der Roman veröffentlicht wird.

Ich bin jedes Mal aufs Neue fasziniert, wenn ich den Innenhof betrete. Geschichte pur, damals wie heute. Die Angestellten sind verwundert, weil ich so lange drinnen bleibe und mir alles genau anschaue. Ich genieße jede Sekunde meines Aufenthalts und fühle mich meiner Geschichte so unglaublich nah. Wenn ihr in Florenz seid, müsst ihr den Palazzo besichtigen. Es lohnt sich auf jeden Fall.

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Palazzo Davanzati – Innenhof – Herrlich, findet ihr nicht auch?

Allein bei den Fotos seufze ich sehnsüchtig. Am liebsten würde ich die Koffer packen, ab nach Florenz. Aber so ist das beim Schreiben. Irgendwann ist der Zeitpunkt gekommen, das Buch abzuschließen und sich dem Nächsten zu widmen.

Aufmerksame Blog-Leser wissen, dass ich an meiner Überarbeitung vom Venedig-Thriller stecke. Diese möchte ich bis Ende des Jahres abschließen. Warum? Das verrate ich nächste Woche, wenn mich bis dahin nicht noch ein ganz anderes Thema rund um Bella Italia erwischt!

Mi fa piacere! Das freut mich!

Ich mach Fortschritte in meinem Italienisch-Kurs. Ab Februar gibt es eine Fortsetzung. Auch wenn es immer komplexer wird, Italienisch ist eine wunderschöne Sprache. Gestern stellte ich verblüfft fest, dass der Satz “Ich habe eine Erkältung” toll klingt. Meine sympatico Lehrerin war verdutzt, als ich das sagte. Dann lächelte sie.

Oh Bella Italia! Ich wünsche euch eine schöne Woche. Bis bald , meine lieben Italien-Freunde!

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Ciao Manu
Autorin und Bloggerin aus Leidenschaft, die Euch gerne auf ihren Recherche-Reisen quer durch Italien mitnimmt!

NaNoWriMo November 2019: Italien, Schreiben und die Liebe

NaNoWriMo November 2019: Italien, Schreiben und die Liebe

Ich bin total happy. Gerade eben, knapp nach Mitternacht habe ich die Erstfassung meines ersten Kalabrien-Romans vollendet. Obwohl ich seit fast 20 Jahren schreibe, habe ich es noch nie geschafft, bei einem NaNoWriMo mitzumachen. November 2019 war es soweit und die Premiere gelang hervorragend. Was ist der NaNoWriMo? Ein internationaler Schreibwettbewerb, bei dem es darum geht, binnen 30 Tagen einen Roman zu schreiben.

Es ist nur ein Entwurf und keine Fassung, die ich meiner Agentin anvertrauen kann. Ich wollte mir große Ziele setzen, denn Minimum waren 50.000 Wörter, 70.000 erschienen mir zu wenig, 80.000 perfekt. Das bedeutete jedoch, jeden Tag rund 2667 Wörter zu schreiben. Bei meinem Schreibtempo in etwa 90 – 120 Minuten, je nach Flow.

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Einer der schönsten Sonnenuntergänge auf der Heimfahrt vom Stromboli

30 Tage lang schreiben – bis zum fulminanten Ende?

Mir kam dabei zugute, dass ich bereits im Juni mit der Szenenplanung, Figurenentwicklung und anderen wichtigen Details begonnen hatte. Die Ungeduld, den Roman endlich zu beginnen, war groß. Mir fehlte die Zeit. Schließlich hatte und habe ich den Venedig-Thriller in einer weiteren Überarbeitungsschleife, die Agentin fragt bereits danach. Stöhn, aber da war diese unstillbare Sehnsucht, diese lebenswerten Figuren und Nebencharaktere endlich aufs Papier zu bringen.

Trotz einem mehrtägigen Seminar und anderen Verpflichtungen meldete ich mich an: Schon ging es los mit dem NaNoWriMo. Die ersten Tage entwickelte sich der Plot gleich mal anders. Nicht ganz anders, aber er legte mal die Heringe für Band 2 aus, denn Kalabrien wird fix eine Trilogie. Diese Idee stand bereits im Sommer fest. Stoff für Band 4 und 5 ist reichlich vorhanden.

Hundemüde nach dem Seminar, kaum geschlafen, aber ich schrieb. Dann ins Bett. Seminar. So ging das über Tage. Es gab in diesen 25 Tagen nur drei Tage, in denen ich dann tatsächlich aussetzte. Das fehlt und das Gemeine ist: Auf der Plattform, auf der ich mich dafür angemeldet habe, siehst du jeden Tag die aktuelle Statistik. Du hast heute xxx Wörter geschrieben, 28 Wörter pro Minute. Und der fieseste Teil: Du bist mit deinem Roman frühestens am 8. Dezember fertig. Das machte MICH fertig. Aber ich schrieb weiter. Deutlich mehr als 2667 Wörter täglich. An manchen Tagen gab es noch eine extra Nachtschicht, sodass ich gut über 5500 – 6000 Wörter schrieb.

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Die traumhafte Kulisse Tropeas spielt auch in meinem Roman eine wichtige Rolle!

Endspurt im NaNoWriMo mit viel Liebe und Bella Italia inklusive!

Das schönste Geschenk war, dass ich mit dem Roman fertig bin und sich alles so schön fügte. Kleine Details meiner Recherchen fanden einen Platz. Wie bei einem Puzzle rutschen Planung und Realität zusammen. Unbewusste Ideen fügten sich ineinander. verliebten sich und andere öffneten eigene Türen. Letztendlich kam ich zum geplanten Happyend. Viele Szenen in dem Buch brachten mich beim Schreiben zum Heulen. Laut meiner Kollegen ein Garant dafür, dass es genau jene Szenen werden, wo auch ihr ein Taschentuch braucht.

Ein wenig hat mein Dampf wohl auch damit zu tun, dass ich in den nächsten Tagen eine neue Küche bekomme. Mein Lebensgefährte machte sich Sorgen, weil er merkte, dass ich unrund werde. Ich hätte bis Samstag noch jeden Tag fix Schreibzeit neben den normalen Arbeiten gebraucht. Er wollte das sogar verschieben. Wahrscheinlich half mir aber das, meine Geschichte ohne Stress zum Ende zu bringen. Es sind keine 80.000 Wörter geworden, nur 71.293. Trotzdem liebe ich den Roman jetzt schon. Calabria uno. Band 1 und es folgen noch weitere Bücher.

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Abschied von Kalabrien. Immer tränenreich. Wenn ihr beim Heimflug von Lamezia Terme wen heulen seht, das bin ich! 😉

Bella settimana! Schöne Woche!

Ich widme mich jetzt ohne schlechtes Gewissen wieder der Überarbeitung meines Venedig-Thrillers. Dank der aktuellen Ereignisse in Venedig ist er sehr brisant. Höchste Zeit, das Manuskript in die Hände meiner Literaturagentin zu legen und ihr Feedback abzuwarten. Inzwischen mache ich mir Gedanken um neue Schreibprojekte. Bei jedem einzelnen, das spruchreif wird, bleibe ich Italien treu.

Ich freue mich auf die nächsten Monate. Gerne halte ich euch in meinem Blog auf dem Laufenden. Folgt mir auf Instagram, Pinterest und Facebook. Morgen geht es in den Italienisch-Kurs. Der macht sich so bezahlt. Es ist eine Freude, weiter zu lernen und zu merken, manches bleibt endlich hängen! Langsam verstehe ich mehr Wörter und hab große Lust, mein Wissen zu testen.

Ciao Manu
Autorin und Bloggerin aus Leidenschaft, die Euch gerne auf ihren Recherche-Reisen quer durch Italien mitnimmt!

Cipolla rossa: Tropeas rote Zwiebel

Cipolla rossa: Tropeas rote Zwiebel

Zugegeben, ich war wirklich neugierig auf diese wunderschöne rote Zwiebel, die das Aushängeschild Tropeas ist. Besonders schön fand ich die geflochteten Zöpfe. Einen wollte ich unbedingt kaufen, denn ich kaufe gerne (auch essbare) Souvenirs, um den Lokalkolorit daheim zu genießen beim Schreiben. Leider hatte ich das Gewicht der Cipolla rossa gewaltig unterschätzt. Letztendlich wurden es dann nur drei Stück der roten Zwiebel, die hierzulande in vielerlei Produkten verkauft wird.

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Cipolla rossa – die berühmte rote Zwiebel von Tropea

Nur Mut und probieren

Bei einer Verkostung im Zentrum von Tropea warteten allerlei Köstlichkeiten auf mich, aber auf die Kostprobe mit der Marmelade der roten Cipolla rossa, war ich sehr neugierig – und positiv überrascht. Grundsätzlich mag ich Zwiebel, aber in süßer Form? Ich konnte mir das einfach nicht vorstellen, wie eine Zwiebel süß schmecken soll. Süß ist vielleicht nicht ganz der passende Ausdruck, mild würde ich sie beschreiben. Als Mitbringsel für deine Lieben daheim ist die Zwiebel – stückweise oder mehrfach – ein echtes Highlight. Familie und Freunde waren wie ich überrascht von dem milden, aromatischen Geschmack.

Natürlich darf die Cipolla auf keiner Speisekarte in Kalabrien fehlen. Probiert sie auf verschiedene Weisen aus. Als Marmelade oder in einer der kalabrischen Spezialitäten, wo erfahrene Köche es geschickt verstehen, das einzigartige Aroma der roten Zwiebel von Tropea umzugehen. Lecker, soviel kann ich verraten!

Berührende Momente des Tages

Ich hab mich schockverliebt. Der gute Mann ist zwar deutlich ein paar Jahrzehnte älter als ich, aber wir verstanden uns blendend. Mit Händen und Füßen gestikulieren. Am Ende verließ ich seinen Laden mit meinen Zwiebeln (aufgrund des zu erwartenden Übergepäcks) nur drei Stück, Pistaziencreme und den per Hand gewutzelten Fileja-Nudeln.

Mit einem strahlenden Lächeln und dem Schwur, endlich Italienisch zu lernen. Das erleichtert einfach die Recherchen vor Ort und ist wirklich überfällig. Sein kleines Tuk-Tuk ist zweifelsohne das meistfotografierte Motiv Tropeas. Wetten? Wenn ihr schon dort wart, nickt ihr an dieser Stelle, denn gleich neben dem Laden befindet sich ein mit bunten Fliesen verzierter Treppenaufgang. Davor steht das mit Cipolla liebevoll dekorierte Tuk-Tuk. Glaubt ihr, ihr könnt es nicht verfehlen.

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Das Tuk-Tuk mit der Cipolla rossa: Mein persönliches und liebstes Wahrzeichen von Tropea

Kauft regionale Produkte

Wenn ihr regionale Produkte wie Bergamotte-Seife, Limoncello, Nduja oder die Fileja-Nudeln einkaufen wollt, dann tut es bitte bei diesem netten Senioren oder in einem Laden außerhalb der Stadt. Auf dem Land werdet ihr für jeden – noch so kleinen – Einkauf mit einem warmherzigen Lächeln verabschiedet. Dort sind die Menschen für jeden Cent, den sie aus der Landwirtschaft verdienen können, sehr dankbar. Außerdem besteht dort die Hoffnung, dass das Geld in die eigenen Taschen fließt und nicht … si, “darüber” spricht man nicht.

Geschichte der roten Zwiebel

Die Cipolla wird euch überall begegnen: Als Nahrungsmittel, Dekoration oder auf Keramikfliesen, auf Verpackungen und sogar auf Geschirrtüchern als Souvenir. Der Markenname dieser Zwiebel ist geschützt. Die Cipolla Rossa di Tropea Calabria wächst an der Küste zwischen dem Capo Vaticano und Vibo Valentia. Angeblich gibt es keine Zwiebel auf der ganzen Welt, die süßer schmeckt als die Cipolla rossa. Am besten schmeckt die Zwiebelmarmelade der Cipolla mit Pecorino, einem regionalen Käse, den ich noch nicht probiert habe, ehrlich gesagt.

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Auch heute gehen noch viele Fischen …

Ich hoffe, euch hat dieser Beitrag wieder gefallen. Was ist eure Lieblingsspeise, wenn ihr in Italien seid? Kennt ihr vielleicht schon die Nduja oder habt ein Gericht mit der Cipolla rossa probiert? Ich freue mich auf eure Kommentare.

Ciao Manu
Autorin und Bloggerin aus Leidenschaft, die Euch gerne auf ihren Recherche-Reisen quer durch Italien mitnimmt!

10 Gründe, warum Venedig für mich als Autorin eine Schatzkiste ist

10 Gründe, warum Venedig für mich als Autorin eine Schatzkiste ist

In die Wellen der Geschichte eintauchen … Da üben Städte wie Venedig oder Florenz auf mich eine magische Anziehungskraft aus. Außerdem liebe ich diese verwinkelten Gassen, die largos und piazzi, in denen sich Stille und Leben abwechseln. Es fällt mir schwer zu sagen, ich liebe Venedig mehr als Tropea, Florenz mehr als Siena. Das wäre unfair, aber in manchen Punkten nimmt Venedig einen besonderen Platz in meinem Herzen ein.

1. Der Zauber der Serenissima

Immer, wenn ich nach Venedig reise, bin ich schon auf den letzten Kilometern unruhig. Vom Flugzeug aus wirken die Inseln und Kanäle, die sich weit über die Lagune erstrecken, magisch. Ich könnte dort oben stundenlang Kreise ziehen, aber auch im Zugabteil wechsele ich spätestens nach Mestre auf die rechte Seite, um mich festzusaugen. Endlich wieder in Venedig. Das Hochgefühl ist wirklich körperlich messbar, denke ich.

Dann stehst du endlich wieder vor dem Bahnhof und hast den Canal Grande vor dir! Venedig pur! Mit allen Sonnen- und Schattenseiten, aber wie gesagt, endlich wieder das brackige Wasser in der Nase, die vielen Menschen und dennoch bin ich in diesem Moment unsagbar glücklich.

2. Der Canal Grande

Das nächste Highlight nach der Ankunft ist die Fahrt mit dem Vaporetto über den berühmten Canal Grande. Nachdem ich die ersten negativen Seiten verdaut habe (massenhaft Menschen um dich herum, Koffer verstaut), kann ich mich endlich entspannen und zum gefühlt 1000. Mal bewundere ich einen Palazzo nach dem anderen. Was hat sich verändert?

Wo zeigen sich Fortschritte bei der Renovierung oder welcher dieser herrlichen Patrizierspaläste ist noch mehr verfallen als beim letzten Mal? Das tut mir in der Seele weh, aber ich verdränge diesen Gedanken. Zumindest beim Wiedersehen möchte ich die Fahrt genießen, unter der Rialto Brücke durchgleiten und die Augen schließen.

3. Palazzo Ducale – mein heimlicher Geliebter

Schon von weitem empfängt er mich mit einem strahlenden Lächeln, mein geliebter Palazzo Ducale. Hier begann eigentlich mein Leben als Autorin. Mein Roman “Nebel über dem Canal Grande” erzählt von der Liebe der Dogentochter Isabella zu einem Glasbläser. Eine Liebe, die unmöglich scheint. Damals durfte man noch die Wandelgänge im oberen Stockwerk betreten. Es waren einzigartige Eindrücke, die ich bei meiner Recherche vor Ort sammeln konnte. Einmal fühlte ich mich selbst wie Isabella, die für ihre Liebe kämpfte.

Ein Schauer glitt auch über meinen Rücken, als ich bei der “geheimen Führung” durch die verborgenen Gänge im Dogenpalast in der Folterkammer stand. Die Szenen in meinem Buch wurden wieder lebendig und wahrscheinlich haben sich ein paar Besucher gewundert über meinen Gefühlsausbruch. Wer jedoch anschließend durch Zufall auf meinen historischen Roman über die Geschichte der Glasbläser gestoßen war, erinnerte sich vielleicht an mich.

4. Piazza San Marco und Basilika San Marco

Einer der beliebtesten Plätze Venedigs, das Schaufenster für das alljährliche Spektakel des Carnival di Venezia. In den Herbst- und Wintermonaten gerät der belebte Platz mit wiederholten Überschwemmungen, dem Aqua Alta, in die Schlagzeilen. “Venedig versinkt!” Ja, tatsächlich ist diese Behauptung nicht aus der Luft gegriffen, aber oftmals werden die Überschwemmungen auch von Einflüssen wie Wind, Vollmond und Gezeiten beeinflusst. Tagsüber flanieren hier viele Touristen, kaufen Souvenirs oder stöhnen über die Preise im berühmten Cafe “Florian”. Drinsitzen oder zumindest ein Selfie machen will aber dennoch jeder. Es gibt allerdings auch ruhigere Ecken auf der Piazza, an denen man sich sein eigenes Bild über die Piazza San Marco machen kann.

Die Basilika San Marco ist neben dem Palazzo Ducale und dem Glockenturm, dem Campanile, eine der meistbesuchten Sehenswürdigkeiten der Serenissima. Wer auf die Empore will, von wo aus sich ein atemberaubender Blick über die Piazza und das Markusbecken bietet, muss extra zahlen. Auch lohnt es sich, vorab Online-Tickets zu kaufen, um den immensen Warteschlangen zu entgehen.

5. Arsenale – das geheime Machtzentrum des 15. Jahrhunderts

Leider kommt man in die alte Schiffswerft nur im Rahmen der Biennale hinein. Wenn du deinen Aufenthalt zeitlich gut abstimmst, ist es sicher kein Fehler, denn die arkadenartigen Hallen sind sehenswert. Hier wurde wohl der Grundstein für die immense Stärke der einstigen Seefahrernation gelegt. Einige Exponate, Pläne und Schiffe kannst du im Marine Museum, dem museo storico navala, in der Nähe besichtigen.

Besonders das Bucintoro, das prachtvolle Schiff des Dogen, ist eines der Highlights der liebevoll gestalteten Ausstellung in den kühlen Hallen. Heute kann man sich kaum vorstellen, wie eifrig im Arsenale gearbeitet wurde und in welch atemberaubendem Tempo die Schiffe hergestellt wurden. Quellen zufolge bauten die Arsenalotti im 16. Jahrhundert in 14 Tagen 100 der venezianischen Galeeren.

6. Lido – Perfekt zum Entspannen und Übernachten

Früher hatte ich mich schlichtweg geweigert, zum Lido überzusetzen. Bis ich merkte, dass die Hotels dort preislich deutlich günstiger sind und die Überfahrt nach Venedig nur wenige Minuten dauert. Außerdem ist es wesentlich entspannter, am Abreisetag direkt mit dem Vaporetto 4.1. zur Piazzale Roma zu fahren als die normale Route über den Canal Grande zu wählen. Erstens schneller, zweitens weniger Gedränge (nicht immer, wie ich letztens leidvoll erkannte!).

Der Lido ist für mich Entspannung pur. Nach den hektischen Tagen der Recherche und Besichtigungen innerhalb des historischen Stadtzentrums von Venedig finde ich am Lido dann die Ruhe, meine Eindrücke sacken zu lassen. Ich genieße die langen Spaziergänge am weitläufigen Sandstrand und frage mich, wer wohl in den riesigen Hotels wohnt, die den Strand säumen.

Lido di Venezia, – Der berühmte Lido war für mich idyllisch ruhig nach aufregenden Stunden in Venedig.

7. Burano, Murano, San Michele und Torcello

Eigentlich ist es unfair, diese Inseln in einem kurzen Absatz zu beschreiben. Da kommt noch mehr, versprochen. Murano ist die Glasbläserinsel. Zumindest nach dem Edikt im 13. Jahrhundert wurden die Glasbläser auf Murano verbannt. Ein Grund war die hohe Brandgefahr, aber es bot sich auch an, um das Geheimnis der Glasbläserkunst zu schützen. Geholfen hat es nicht ganz, denn es gab genug Spione und auch die Glasbläser waren nicht alle abgeneigt, ihr Wissen gegen bare Münze zu teilen.

Wenn du die Spitzenkunst magst, bist du auf Burano genau richtig. In manchen Geschäften findest du eine unglaublich große Auswahl an Produkten, die mit dieser edlen Spitze geschmückt sind. Elegante Umhängetücher, Schirme und Blusen, sogar Babylätzchen und Kinderkleidung werden mit der berühmten Burano-Spitze veredelt. Wie schwierig und anstrengend diese Arbeit ist, zeigt das Spitzenmuseum in Burano, das Museo del merletto. Ein Video im Eingangsbereich erklärt die wichtigsten Techniken und geht auf die Geschichte dieser Kunst genauer ein. Ich will nicht wissen, wie viele Frauen auf den engen Holzbänken saßen und arbeiteten. Das Handwerk droht auszusterben, sodass es eine interessante Initiative gibt, ein Revival zu feiern. In einigen Geschäften kannst du in der Galerie die kostbarsten Stücke bewundern.

Wer sich diese Kunst näher erklären lässt, versteht die Preise besser …

San Michele, die Friedhofsinsel, ist einer meiner wichtigsten Schauplätze des aktuellen Venedig-Thrillers. Besonders kurz vor dem Schließen lohnt sich ein Besuch, denn die untergehende Sonne sorgt für eine besonders romantische Stimmung und tolle Aufnahmen. Durch die überschaubare Größe Venedigs wurden die Toten ab 1805 außerhalb Venedigs beerdigt.

Im Norden der venezianischen Lagune liegt Torcello, auch bekannt als laguna morta. Der Begriff “tote Lagune” leitet sich vom Umstand ab, dass man auf Torcella nichts von den Gezeiten bemerkt, die das Leben in Venedig und auf den anderen Inseln der Lagune beeinflussen.

8. Insel San Giorgio

Ein Kleinod Venedigs, das oftmals nicht beachtet wird, ist San Giorgio. Vom 75 Meter hohen Campanile hast du ein herrliches Panorama über die Lagune. Von oben kann man gut die mit dicken Pfählen ausgesteckten Wasserstraßen erstrecken. Was an Bord oft als Chaos gewertet wird, entpuppt sich aus dieser Perspektive einem unsichtbaren Wegweiser für die gesamte Schifffahrt in der Serenissima und den umliegenden Inseln bis zum Festland. Übrigens ist der Ansturm auf den Campanile hier deutlich geringer als am Campanile auf der Piazza San Marco, und preislich auch günstiger.

Eine der eindrucksvollsten Treppen, die ich jemals gesehen habe

Sehenswert ist die Kirche Chiesa di San Giorgio, nach einem Entwurf von Andrea Palladio. Über diesen berühmten Architekten, der für eine Vielzahl von Villen und anderen Profanbauten in Venetien sowie der Toskana verantwortlich ist, schwebt mir eine neue Idee zu einem historischen Roman vor. Seine Entwürfe solltest du mit eigenen Augen erleben, dann werden sie dich wie mich begeistern. Auf der Tour kommst du in den Genuss, diese einzigartigen Säulen und Kreuzgänge zu bewundern. Außerdem geht es in die Fondazione Giorgio Cini, über die Große Treppe von Longhena und in die Nuova Manica Lunga-Bibliothek. Sehenswert!

9. Die Palazzi Venedigs

Dass die Palazzi erst an dieser Stelle kommen, ist willkürlich! Natürlich sind sie, jeder einzelne, der wahre Star in der Serenissima. Die Preise für so einen alten Palast klingen astronomisch, aber wahrscheinlich ist das noch der geringere Preis. Die Instandhaltung sowie die Heizkosten sind nicht zu unterschätzen. Wie schön und faszinierend auch die Villen außerhalb der Stadt sein können, davon könnt ihr euch selbst überzeugen. Immer wieder veröffentliche ich auch Interviews und da hab ich mir einen ganz besonderen Interviewpartner gewünscht. Wer könnte die morbide Schönheit Italiens am besten einfangen, wenn nicht ein professioneller Fotograf, der unsere Leidenschaft für Italien und seine Kunstschätze teilt?

Mein Tipp: Besuch auch Ausstellungen, die dich mitunter weniger interessieren. Dafür genießt du den Aufenthalt in einem Palazzo, der eigens für manche Ausstellungsräume renoviert wurde und du gewinnst weitere Eindrücke der alten Bautechniken und architektonischen Stile Venedigs. Ich liebe diese Angebote inzwischen sehr und vergesse dann völlig die Zeit bei meinen Streifzügen.

Jeder Palazzo sticht durch besondere Details heraus – welche Geschichte verbirgt sich wohl dahinter?

10. Venedig bei Nacht

Es muss nicht zwangsläufig eine Gondelfahrt sein, um dem nächtlichen Zauber Venedigs zu erliegen. Abends wirken die engen Gassen noch atmosphärischer, düsterer, geheimnisvoll. In diesen Stunden erwachen meine schreiberischen Impulse. Ich wittere Intrigen, Affären und versteckte Arrangements an allen Ecken, während ich über einsame Brücken gehe oder ausgestorbene largos bestaune. Die Stille kann mitunter bedrückend wirken und zugegeben, ich bin nicht in jedem Viertel zu nächtlicher Stunde unterwegs.

Das Treiben am Carnivale wäre verlockend, aber es macht keinen Spaß, sich von Gasse zu Gasse mitreißen zu lassen. Kurz vor Weihnachten zeigt sich Venedig in einer düsteren, nebeligen Stimmung. Die Weihnachtsmärkte hier sind ebenso mit manchem Kitsch überzogen, aber es ist eine neue Erfahrung für mich gewesen.

Welchen Tipp hast du für Venedig?

Wo ist dein Lieblingsplatz in Venedig? Fern der überfüllten Gassen, in ruhigen Hinterhöfen oder abseits gelegenen Sestriere gibt es manch idyllischen Ort, den es zu entdecken gilt. Verrate mir doch gern, welche Empfehlung du für einen Trip nach Venedig hast!

Ciao Manu
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