Corona und dann?

Die Ereignisse haben sich komplett überschlagen. Seit Tagen fing mein Morgen damit an, die aktuellen Krankheitsfälle und Todesfälle in Italien zu checken. Ich schaue auf den Internetseiten von Reisebüros, Konsumentenschutzverein, ÖAMTC und dem Außenministerium, was meine Reisen betrifft. Corona und dann? Diese Frage stand und steht brisant und präsent wie nie im Raum. Am Sonntag fand ich Kampanien in der Sicherheitsstufe 3. Deshalb konnte ich meine Reisen dann nach langer, emotionaler Diskussion mit dem Reisebüro kostenfrei umbuchen. Von einem kostenlosen Storno war nicht die Rede. Hätte ich 24 Stunden gewartet, sähe die Sachlage anders aus. Egal, zumindest ist das Hamsterrad in meinem Kopf zum Stillstand gekommen. Dachte ich ….

Denn dann ging es mit “Corona und dann?” erst los …

Seit heute hinterlassen diese teuflischen Viren nämlich auch in meinem eigenen Land deutliche Spuren. So bleiben mir nur meine Tagträume in Kalabrien: Scilla ist einer meiner Lieblingsorte in Süditalien. Ein Konzert, auf das sich meine Tochter wie wahnsinnig gefreut hat nächste Woche, ist abgesagt. Alle Großveranstaltungen in Innenräumen mit mehr als 100 Personen sind von den aktuellen Maßnahmen betroffen, auch Unis und Fachhochschulen. Private Kontakte soll man reduzieren, ruft die Bundesregierung auf.

Kann es das verstehen? Wenn ich mich frage, Corona und dann? merke ich, wie unterschiedlich die Reaktionen ausfallen in meinem Familien- und Bekanntenkreis. Auch Menschen, denen die Auswüchse von Corona bisher schon auf die Nerven gingen, merken, dass man weitreichende Maßnahmen setzen muss. Es gilt, die Verbreitung einzudämmen. Nicht jeder begrüßt diese Aktionen. Viele Betriebe und Selbständige haben Existenzängste. Es tut mir in der Seele weh.

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Schon im Januar war ich betroffen, wie Chinas Wirtschaft eingefroren worden ist. Im Falle von Italien trifft mich das nicht unmittelbar, aber vielfach persönlicher. Ich kenne Menschen, die ich sehr schätze, die von ihrem Job im Hotel die Ausgaben des nächsten Winters decken müssen. Kalabriens Bewohner leben zum Großteil vom Tourismus. Mit viel Glück startet der vielleicht im Juni, im Juli oder später? Gehälter, die man in Österreich nicht ohne massive Proteste bezahlen würde! Die Kalabresen wären dankbar dafür!

Ich verstehe auch nicht, warum Hallstatt so klagt. Der Air Italia droht das Aus! Natürlich haben sie Verluste. Dennoch, in den vergangenen Jahren haben sie Massen an Touristen speziell aus Asien ins Bundesland gelassen. Dann beschwert man sich darüber. Jetzt ist es deutlich ruhiger. Okay, aber von den Einnahmen Hallstatts oder anderen Städten Österreichs träumt man in Kalabrien oder Apulien.

Soziale Kontakte reduzieren!

Klar ist diese Ansage auf den ersten Blick heftig. Kennt man jedoch Informationen, nach denen viele junge Italiener aus Mailand beispielsweise noch letzte Woche in Südtirol auf den Skipisten unterwegs waren, die Ansteckungsfälle u.a. aus diesem Grund dramatisch gestiegen sind, sieht man dieses Aufforderung mit anderen Augen.

Erst heute habe ich gelesen: Menschen zwischen 18 bis 30 Jahren sind deutlich weniger gefährdet. Allerdings sind sie auch ideale Überträger. Bene. Sie fahren herum, treffen Freunde. Diese und sie selbst gehen heim zu ihren Familien, besuchen die nonna oder den nonna. Also ältere Menschen, die ein wesentlich höheres Risiko haben, an Corona zu erkranken oder gar zu sterben.

Bella Italia – ci vediamo!

Wunderschönes Italien, wir sehen uns wieder!!! Einer der wesentlichen Gründe, warum Italien seit gestern Nacht einen derart drastischen Schritt gesetzt hat (viele europäische Staaten reagieren erst jetzt mit gemäßigten Maßnahmen): Man begreift endlich, dass die wahre Gefahr von Corona nicht die Erkrankung selbst, sondern die Vielzahl an Erkrankten in unserem gesamten wirtschaftlichen und sozialem Gefüge eine Bombe darstellt.

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Ich hätte euch heute gerne einen wunderschönen Artikel über mein geliebtes Bella Italia geschenkt. Wenn ich die steigenden Stornozahlen ansehe, die Verzweiflung vieler Menschen, die nicht wissen, wie es weitergeht. Dann bin ich lieber mit Informationen dabei und dem Wunsch, dass es in Italien bald wieder zur Normalität reicht und wir mit einem positiven Gefühl fragen: “Corona und dann?”

In diesem Sinne: Macht euch gemütliche Abende zu Hause, passt auf eure Eltern und Großeltern auf. Denkt dran, wie ungleich schwerer es die Menschen in Italien gerade haben. Italiani, tutto auguri!!!

Ciao Manu
Autorin und Bloggerin aus Leidenschaft, die Euch gerne auf ihren Recherche-Reisen quer durch Italien mitnimmt!

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